Noch mehr Stimmen gegen Isolation Tirols, Bayern alarmiert

Eine Isolation Tirols steht im Raum. Von falscher Panikmache spricht WK-Präsident Christoph Walser und übt scharfe Kritik an Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne). Bayern schaut mit Argusaugen auf die Grenzen. Testen, testen bringt neue Ergebnisse.

Deutschland will sich gegebenenfalls mit intensiveren Kontrollen beim Grenzschutz in Richtung Tirol wappnen.
© Helmut Mittermayr

Innsbruck, Reutte, Rosenheim – Bis zuletzt sickerte wenig zu einer möglichen Isolation Tirols durch. Von vielen Seiten kommt Widerstand – weil es die Datenlage nicht hergebe. Heute Sonntag will Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) „in enger Abstimmung mit Tirol“ eine Entscheidung bekannt geben. Anschober schloss zuletzt eine Weisung für einen Lockdown in einem Bundesland nicht aus.

Scharfe Kritik in Richtung Anschober kam am Samstag von Wirtschaftskammerpräsident Christoph Walser: „Die Menschen in Österreich haben es satt, täglich die gleichen Mantras zu hören. Die Wirtschaft pfeift aus dem letzten Loch. Alles andere als eine schrittweise Öffnung auch für Tirol ist ein Wahnsinn“, sagt er. Es sei „gut und richtig“, jeder bestätigten Infektion nachzugehen und auch auf Mutationen zu achten. „Wenn diese aber bereits sechs bis acht Wochen zurückliegen, ist Panikmache verantwortungslos.“

„Die Wirtschaft pfeift aus dem letzten Loch, wir haben gute Sicherheitskonzepte – Isolation wäre Panikmache.“ – Christoph Walser (WK-Präsident)
© Foto TT / Rudy De Moor

Statt lange zurückliegende Geschehnisse zu diskutieren, sollte sich die hohe Politik damit befassen, Impfstoffe zu beschaffen, richtete Walser Anschober und den Verantwortlichen im Bund aus und fügte hinzu: „Wir müssen uns aus der Pandemie herausimpfen und nicht in den nächsten Lockdown hineinsequenzieren.“ Walser plädiert für einen gesamthaften Blick – neben Virologen müssen auch Psychologen, Pädagogen, Soziologen und Ökonomen gehört werden, appellierte er. Es dürfe nicht „Theoretikern alleine überlassen werden, was mit unserer komplexen Gesellschaft geschieht“. Damit kritisiert er die jüngsten Aussagen von Virologin Dorothee von Laer, die wegen der Südafrika-Cluster für eine Isolation Tirols eintritt.

Dass sich auch Bayern Sorgen macht und eine Abschottung Tirols begrüßen würde, sei eine Folge von Laers Panikmache, so Walser. Er befürchtet nicht, dass Tirol – ähnlich wie Südtirol – mit einer vorschnellen Öffnung in einer Sackgasse landen könnte: „Der Handel ist mit guten Sicherheitskonzepten vorbereitet.“ Man müsse langsam, aber sicher die Menschen aus der Geiselhaft nehmen.

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B.1.351 hin, Tiroler Subtypus her – zwischen der Erregung über die mögliche Gefährlichkeit eines Virus tyrolenis in Deutschland und expliziten Maßnahmen dagegen lagen am Samstag noch Welten.

Lokalaugenschein an den Grenzen

Ein Lokalaugenschein an den Grenzen Füssen und Vils zeigte den seit Wochen gewohnt entkrampften Grenzverkehr. Bei Stichproben muss ein jeder Einreisende nach Deutschland zwar digitale Anmeldung, Pendlernachweis oder andere erklärende Papiere vorweisen können – nur die Taktzahl der wirklichen Stichproben hielt sich in Grenzen.

Matthias Knott, Sprecher der Bundespolizeidirektion München, erklärte tags zuvor allerdings, dass die aktuelle Entwicklung in Tirol sehr genau verfolgt werde, Anpassungen schnell vorgenommen seien und die Kontrollen intensiviert würden. Bei diesen Überprüfungen seien immer auch Einzelfallentscheidungen zu treffen. Die Glaubwürdigkeit der Aussagen würde eine große Rolle für die Entscheidungen der Bundespolizei innerhalb ihres Ermessensspielraumes spielen. Schließlich könnten ja sogar Corona-Positive unter Einbindung des Gesundheitsamtes ins Land gelassen werden, wenn die Umstände, etwa bei Rückkehrern, dafür sprechen würden. Genauer hingeschaut wurde Samstagvormittag hingegen an der Kontrollstelle Musau im Außerfern. Dort machte schon die Runde, dass kleinere Grenzübergänge – im Bezirk Reutte gibt es sieben – wieder geschlossen werden sollen.

Schärfere Kontrollen von Zweitwohnsitzen kündigt Anschober an: Per Erlass wurden die Länder aufgefordert, Zweitwohnsitze, aber auch die Einhaltung der Quarantäne nach Auslandsreisen verstärkt zu kontrollieren, hieß es in der Aussendung. (hm, lipi, TT)


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