„Malcolm & Marie“: Intimer Streit am Wendepunkt einer Beziehung

Im Kammerspiel „Malcolm & Marie“ lässt Sam Levinson Zendaya und John David Washington als Paar aneinandergeraten.

John David Washington und Zendaya als Malcolm & Marie.
© Miller/Netflix

Innsbruck – Statt Szenen einer Ehe erzählt „Malcolm & Marie“ nur von einem langen Abend eines Paares. In diesen 106 Minuten schenken sich die beiden Titelhelden nichts. Gerade von der Premiere seines Films zurückgekommen, will der aufstrebende und aufgedrehte Regisseur Malcolm eigentlich nur feiern. Doch in seiner Dankesrede hat er ausgerechnet die Frau seines Lebens vergessen.

Es ist der Ausgangspunkt für einen langen Streit – unterbrochen durch einige Versöhnungen –, bei dem Malcolm und Marie alles aussprechen, was sonst ungesagt bleibt.

Zwischen Malcolms Eitelkeiten und Maries Unsicherheiten brechen alte Wunden auf, neue entstehen. Ob die schonungslose Ehrlichkeit kathartische Wirkung entfaltet oder die Beziehung unwiederbringlich zerstört, bleibt offen.

„Malcolm & Marie“ ist ein Kammerspiel, wie sie immer wieder als Theater-Verfilmungen auf die Leinwand kommen. Es gibt jedoch auch genuin filmische „Zweihänder“, wie so ein Zusammentreffen in der Filmsprache auch genannt wird. Die Schwierigkeit liegt darin, in der Reduktion trotzdem die szenische Illusion und Natürlichkeit aufrechtzuerhalten.

Zendaya und John David Washington gelingt die intime Authentizität fast durchwegs gut, auch wenn sie einige künstliche, für das Publikum gedachte, mehrminütige Monologe von Sam Levinson immer wieder im Regen stehen lassen. Die großartigen Schwarz-Weiß-Bilder von Kameramann Marcell Rév bringen angenehme Ruhe in den ebenso brutalen wie intimen Streit. Seitenhiebe auf das Filmgeschäft und vor allem Kritiker bringen etwas Leichtigkeit in die Intimität.

📽️ Trailer | „Malcolm & Marie“

In seinen bis zur Natürlichkeit perfekt choreographierten Hochs und Tiefs eines Abends erinnert „Malcolm & Marie“ etwa an „The Interview“ des ermordeten Theo van Gogh bzw. dessen Remake von und mit Steve Buscemi und Sienna Miller. Dort bilden die Annäherung und das Maskenspiel zweier Fremder den Spannungsbogen.

Bei den ungleichen langjährigen Partnern Marie und Malcolm sind es die Entfremdung und aufgestaute Konflikte einer langen Beziehung, die an einem Wendepunkt angelangt ist. Malcolm wird gerade berühmt. Die Schauspielerin Marie spielte jedoch nicht die Hauptrolle in dem Drama, das unter anderem von ihrem Leben inspiriert ist. Wie sehr Malcolms Geschichte einer Drogenabhängigen auf der von Marie basiert, ist nur ein Streitpunkt.

„Malcolm & Marie“ hat keine Bühnenvorlage und verdankt seine Existenz dem Corona-Virus. Zendaya, der Star der progressiven Coming-of-Age-Serie „Euphoria“, und ihr Serienregisseur Sam Levinson mussten die Dreharbeiten unterbrechen. Zusammen mit „Tenet“-Actionstar John David Washington und dem halben Kreativ-Team der Serie haben sie die Zeit für einen intensiven Lockdown-Film genutzt. (maw)


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