Tiroler Lebensmittelgroßhändler: „Haben noch kein Geld gesehen“

Für viele angebaute Lebensmittel fehlen derzeit die Abnehmer.
© Hammerle

Thaur – Wenn am Montag der Handel wieder öffnet, bleibt für Lebensmittelgroßhändler in Tirol die Lage weiter sehr angespannt. Hauptabnehmer ihrer Waren sind die Gastronomie- und die Hotelleriebetriebe in Tirol. Diese bleiben jedoch bis mindestens Anfang März geschlossen. Zudem fehlen weiter die versprochenen Hilfen für indirekt vom Lockdown betroffene Branchen.

„Wir gehen nun das zweite Jahr in Folge in Vorleistung. Außer einem einmaligen Fixkostenzuschuss haben wir noch kein Geld gesehen“, sagt Andreas Giner, Geschäftführer von Giner Gastroservice in Hall in Tirol.

Das Unternehmen mit 30 Mitarbeitern (60 Mitarbeiter vor der Krise) setzt 80 Prozent seiner Lebensmittel, die es von rund 60 heimischen Bauern bezieht, im Tourismus ab. Weil die Abnehmer fehlen, landen aktuell 120 Tonnen Weißkohl in der Biogas-Anlage. „Ebenso wie Kühe weiter Milch geben, müssen auch heuer wieder Felder bestellt werden. Ob es für die Lebensmittel auch Abnehmer geben wird, wissen wir nicht.“ Das Minus belaufe sich bislang auf 600.000 Euro. „Mit den versprochenen Hilfen könnten wir annähend an die schwarze Null kommen.“

Der ursprünglich für Ende Jänner angekündigte Umsatzersatz für indirekt vom Lockdown betroffenen Betriebe lässt jedoch weiter auf sich warten. Aus dem Finanzministerium (BMF) heißt es auf TT-Anfrage, dass man mit Hochdruck an der Umsetzung arbeite. Wann die Hilfe fertig sein werde, könne man aber noch nicht sagen. Das BMF verweist auf die Komplexität der Materie, weil die indirekt Betroffenen nicht leicht zu erheben seien.

Auch Handelsverband, Wirtschaftskammer und Landwirtschaftskammer verweisen seit Monaten auf die fehlenden Hilfen für die Tausenden Zulieferer. (ecke)


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