Thriller „CO2 - Welt ohne Morgen“: Terror gegen Klimawandel

Sachbücher, die sich mit dem Klimawandel auseinandersetzen und vor seinen Folgen warnen, gibt es bereits zuhauf. Der Thriller „CO2 - Welt ohne Morgen“ bringt die Thematik nun einem vermutlich etwas anderem Leserkreis nahe. Es geht um Umwelt-Terrorismus, der erpresserisch erzwingen will, wozu die Politik von sich aus nicht in der Lage ist. Geschrieben hat ihn ein offenbar deutscher Journalist, Rechtsanwalt und Thriller-Autor, der diesmal das Pseudonym Tom Roth gewählt hat.

„Solange die Forschung unserem Wohlstand dient, machen wir sie uns gern zunutze. Während der Corona-Pandemie haben wir uns von Virologen beraten, ja regieren lassen. Auf die Entwicklung eines Impfstoffs gehofft, damit wir weiterleben können wie bisher. Doch wenn die Wissenschaft uns wegen des Klimas warnt und ermahnt, hören wir weg.“ Mit einer emotionalen Rede möchte die Mutter einer jungen deutschen Geisel auf der 26. UN-Klimakonferenz in Glasgow (die im kommenden November tatsächlich stattfinden soll) die versammelten Regierungen im letzten Moment zum Einlenken bewegen. Wenn die Forderungen der Geiselnehmer nicht erfüllt werden, soll in wenigen Stunden ihre Tochter Hannah mit CO2 erstickt werden. Als drittes Opfer von zwölf gekidnappten jungen Klimaaktivisten aus aller Welt.

„CO2 - Welt ohne Morgen“ ist ein echter Page-Turner, nach allen Regeln des Genres reißerisch gemacht, mit vielen wechselnden Schauplätzen von Europa über Afrika, Australien bis zu Inseln im Pazifischen Ozean. Das Buch ist mit raschen Schnitten und kurzen Szenen wie ein spannender Film konzipiert, bietet Vorgriffe ins Jahr 2040, in dem Wetterkatastrophen alltäglich sind, Teile der Welt unbewohnbar wurden und Quarantäne-Maßnahmen zum Alltag gehören. Die Menschen haben reagiert, ihre Ernährung und ihre Lebensumstände umgestellt. Viel zu spät, freilich.

Ganz nach Lehrbuch gibt es eine Menge Protagonisten in dem Roman, von verzweifelten jungen Menschen über FBI-Agenten, bösen Schurken, die mit hehren Anliegen ihre finsteren Geschäfte machen, bis zu Aufdecker-Journalisten und Mitgliedern des politischen Establishments. Auch die deutsche Kanzlerin spielt mit. Wie es die traditionelle Dramaturgie verlangt, werden dem Leser aber nicht nur die wesentlichen Hauptfiguren detailreich nähergebracht, sie sind außerdem auch noch durch private Bande miteinander verbunden. So weit, so konventionell, so unwahrscheinlich. Ungewöhnlich sind hingegen die zahlreichen „Peter Pan“-Motive, die dem Plot auch eine literarische Ebene hinzufügen.

„CO2 - Welt ohne Morgen“ bietet ohne Zweifel genug Spannung, um einen über 500 Seiten dranbleiben zu lassen. Und es bietet viele interessante Fakten zum Thema. Der Autor habe an der Uni zum Thema Klimawandel und CO2-Zertifikate geforscht, heißt es in seiner Kurz-Biografie. Der Zertifikate-Handel, der vor allem ein zum Missbrauch einladendes Milliardengeschäft und weniger ein wirklich geeignetes Mittel zur Eindämmung des Klimawandels ist, steht auch im Mittelpunkt des Buches, das zudem mit einigen überraschenden Wendungen aufwartet. Gut möglich also, dass dieses Paperback schon bald eine Umschlagschleife erhalten wird: „Demnächst im Kino.“

(S E R V I C E - Tom Roth: „CO2 - Welt ohne Morgen“, Lübbe, 526 Seiten, 16,40 Euro)


Kommentieren


Schlagworte