Weitere Proteste trotz Militärgewalt in Myanmar

Der Widerstand gegen die Militärjunta in Myanmar geht ungeachtet des gewaltsamen Vorgehens der Streitkräfte gegen die Demonstranten weiter. In der Hauptstadt Naypyitaw folgten neben Ärzten, Lehrern und Bahnarbeiter am Mittwoch auch Hunderte von Regierungsangestellten der wachsenden Bewegung des zivilen Ungehorsams. Die Polizei hatte am Dienstag Wasserwerfer eingesetzt und mehrfach in die Luft geschossen, um die Proteste aufzulösen. Es gab mehrere Verletzte.

„Wir können nicht ruhig bleiben,“ sagte die Jugendaktivistin Esther Ze Naw der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch. „Wenn während unserer friedlichen Proteste Blut vergossen wird, dann wird es noch mehr geben, wenn wir ihnen erlauben, das Land zu übernehmen“, erklärte sie im Hinblick auf das gewaltsame Vorgehen bei den Demonstrationen am Vortag.

Eine Frau war dabei von einem Geschoß am Kopf getroffen worden. Ein Arzt des behandelnden Krankenhauses in Naypyitaw erklärte, dass sie voraussichtlich nicht überleben werde. Ein von Reuters verifiziertes Social Media Video zeigte sie gemeinsam mit anderen Demonstranten in einiger Entfernung zu Polizisten. Dann waren mehrere Schüsse zu hören. Die Frau, die einen Motorradhelm trug, brach plötzlich zusammen. Auf Bildern ihres Helmes sieht es so aus, als ob es ein Einschussloch gibt. Staatliche Medien hatten berichtet, die Polizei habe Gummigeschoße abgefeuert.

Das einflussreiche Militär hatte am 1. Februar geputscht. An diesem Tag hätte das im November gewählte Parlament zu seiner ersten Sitzung zusammenkommen sollen. Das Militär hat das Wahlergebnis, nach dem die Nationale Liga für Demokratie (NLD) der De-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi haushoch gewonnen hatte, nicht akzeptiert. Mit dem Putsch wurde der erst vor wenigen Jahren eingeleitete Demokratisierungsprozess gestoppt. Der Umsturz und Suu Kyis Festnahme lösten die größten Proteste seit mehr als einem Jahrzehnt aus.

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Die Forderungen der Demonstranten gehen jetzt über die Umkehr des Putsches hinaus. Sie streben nun die Abschaffung der Verfassung von 2008 an, die unter der Aufsicht des Militärs ausgearbeitet wurde. Demnach hat das Militär ein Vetorecht im Parlament und stellt mehrere Ministerien.


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