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Die Zirbe passt sich nicht leicht an: Zieht sich die Königin der Alpen zurück?

Der Methusalem der Wälder könnte selten werden. Denn den Zirben, die bis zu 1000 Jahre alt werden, setzen nicht nur Klimawandel und Pilze zu. Sie brauchen auch länger als ihre grüne Konkurrenz, um sich an Umweltveränderungen anzupassen.

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Neben der Temperatur setzen den knorrigen Bäumen auch Wintersportler, krankheitserregende Pilze und Wild zu.
© René Antonoff

Von Judith Sam

In so manchem Krimi gilt die ganze Aufmerksamkeit der Genanalyse. Ein Härchen am Tatort reicht aus – schon ist der Täter überführt. Auch das Team um den Schweizer Forscher Felix Gugerli widmet sich 3000 Gensequenzen, allerdings nicht menschlichen, sondern Genen von Zirben. Nicht, dass die bis zu tausend Jahre alten Bäume etwas verbrochen hätten. Vielmehr versuchten die Experten der Eidgenössischen Technischen Hochschule und der Universität Zürich festzustellen, welche Genvarianten im stetig wärmeren Klima der Schweiz überleben: „Dabei kamen wir zum Schluss, dass die ,Königin der Alpen‘ mancherorts aussterben könnte.“

Unflexible Altbäume

Studienleiter Gugerli konzentrierte sich vor allem auf 15- und 150-jährige Bäume: „Die älteren wuchsen während einer kleinen Eiszeit auf, die Europa damals im Griff hatte. Wer an die niedrigen Temperaturen angepasst war, überlebte.“ Ein stimmiges Konzept – wären Zirben keine Spätzünder in Sachen Fortpflanzung. Zirben entwickeln nämlich erst im Alter von bis zu 60 Jahren erste Samen: „Darum ist der Großteil ihrer Nachkommen auch heute noch an kühle, feuchte Bedingungen angepasst.“

Doch im Wald ist mehr Flexibilität gefragt. Denn als Folge der Klimaerwärmung stiegen die Temperaturen seitdem um 1,5 Grad.


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