„Holt sie aus den Drecklagern!“: Demo für Aufnahme von Flüchtlingen

250 Tiroler forderten mit einem Marsch die Aufnahme von Flüchtlingen in Österreich. Katharina Stemberger von „Courage“ appelliert an LH Platter: „Auf geht’s!“

„Innsbruck hat Platz“, lautete die Botschaft des Marsches.
© Thomas Boehm / TT

Von Alexandra Plank

Innsbruck – Unter den Klängen der Protesthymne „Bella Ciao“ zogen Samstagabend etwa 250 Personen über den Innrain und die Herrengasse zum Landestheater. Dort fand neuerlich das „Wochenende für Moria“ statt, siehe Artikel unten. Brennende Kerzen sorgten auf dem Platz dafür, dass die Zwei-Meter-Abstände eingehalten werden konnten, die Teilnehmer trugen immer FFP2-Masken.

Schwester Notburga warnte vor der „Zerstörung unserer Herzen“.
© Thomas Boehm / TT

Was für einen Einsatz die Campbewohner für die Menschlichkeit bringen, wurde den Zuhörern bei der rund eine Stunde dauernden Veranstaltung rasch klar: Bei Minus 6 Grad zu stehen, scheint aber erträglich, wenn man weiß, dass man die kommende Nacht, es sollte die kälteste des Jahres werden, im warmen Bett schläft.

Auch Schwester Notburga, die ein Transparent an den Klostermauern in Hall angebracht hatte (das Bild ging viral), war gekommen, um im Zelt zu ­schlafen. Sie wurde als „Österreichs bekannteste Nonne 2021“ angekündigt und forderte, die ­Menschen sofort aus den Lagern zu holen: „Wenn wir das nicht machen, tun wir nicht nur den Menschen dort Furchtbares an, noch mehr zerstören wir unsere Herzen.“

Bischof Glettler entzündete eine Kerze. Er hofft auf den Pulleffekt der Herzensenergie.
© Thomas Boehm / TT

Bischof Hermann Glettler stellte klar, dass alle Bischöfe dafür kämpfen, dass die vielen Österreicher, die helfen wollen, das endlich dürfen. Courage-Initiatorin Katharina Stemberger sorgte für Lacher, als sie sagte, nicht alles Schlechte komme aus dem Osten. Sie unterstrich die Vorreiterrolle der Tiroler in Sachen Humanität: „Sie sind mehrheitlich dafür, dass wenigstens 100 Familien kommen dürfen.“ LH Platter könne sich ruhig trauen, das bei seinen Parteifreunden durchzusetzen.

Protestaktionen auch in Tiroler Gemeinden

Bereits zum neunten Mal wurde von gestern auf heute beim Protestcamp „Wochenende für Moria” vor dem Landestheater in Zelten übernachtet. Initiator Nik Neureiter und zahlreiche andere Aktivisten wollen damit seit Wochen auf die humanitäre Notlage in den Flüchtlingslagern aufmerksam machen und sich für die Aufnahme von Geflüchteten in Österreich einsetzen.

Nachdem das Solidaritätscamp bereits u. a. in Wien, Klagenfurt, Salzburg und Dornbirn stattgefunden hat, „ist unser nächstes Ziel, mit ähnlichen Aktionen in die Tiroler Gemeinden und Bezirksstädte zu gehen“, sagt Neureiter. Für ihn ist dieser Schritt aufs Land deshalb so wichtig, „weil wir überall die Gespräche mit Menschen suchen, mit Befürwortern wie Skeptikern der Aufnahme von Flüchtlingen. Wir verstehen die Bedenken der Tiroler gerade in Zeiten wie diesen, und es ist ja nicht so, dass nur ein Weg der richtige ist“, sagt Neureiter. Bewusst ist Neureiter, „dass es mühsam ist, auch in der Politik hier etwas zu erreichen. Aber uns geht es primär ja auch darum, dass ein breiter gesellschaftlicher Prozess in Gang kommt.“ Und das scheint bereits gelungen zu sein: „Ich bin überwältigt, wie viel Solidarität und Hilfsbereitschaft da ist und das schichten- und parteienübergreifend“, freut sich Neureiter. (wa)

Für Katharina Stemberger ist jetzt nicht die Zeit für politisches Kalkül.
© TT/Böhm

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