Traurige Patronin in Galtür: Ausstellung im Alpinarium

Schluss mit Online-Museum: Das Alpinarium heißt wieder Besucher willkommen. Zu Gast ist derzeit Melanie Leitner-Gravic mit der Ausstellung „Madonna della Corona“.

Die Vergolderin und Restauratorin Melanie Leitner-Gravic zeigt eine Auswahl ihrer Werke im Alpinarium.
© Wenzel

Von Helmut Wenzel

Galtür – Corona hat Kultur aus dem öffentlichen Leben verbannt. Museen und Galerien kompensierten den Lockdown mit virtuellen Rundgängen oder Online-Ausstellungen – mit durchwachsenem Erfolg. Auch in der Galtürer Kultureinrichtung Alpinarium, wo man, wie überall, auf ein Ende des Kulturentzugs hofft.

„Wir sind froh, wieder Besucher zu einer greifbaren Ausstellung begrüßen zu dürfen“, hob Projektleiter Helmut Pöll gestern hervor. Das Team des Hauses hofft, „zumindest einen kleinen Beitrag auf dem Weg zu etwas mehr Normalität leisten zu können“. Im Moment ist das Alpinarium eine der wenigen Kultureinrichtungen im Oberland, die den Einheimischen eine neue Ausstellung mit geregelten Öffnungszeiten bieten. Wegen des Lockdowns habe man die Eröffnung gleich zweimal verschieben müssen. „Und auf die Vernissage müssen wir leider verzichten“, schilderte Pöll. „Trotzdem sind wir optimistisch und planen ein attraktives Programm für die Sommersaison.“

Was steckt hinter der Ausstellung „Madonna della Corona“, mit der sich die Galtürer Künstlerin Melanie Leitner-Gravic vorstellt? – „Es ist eigentlich nur ein Wortspiel. Kann sein, dass es etwas tiefsinnig geraten ist“, erläuterte sie gestern beim Rundgang.

Dennoch möchte die gelernte Vergolderin und freischaffende Restauratorin einen gewissen Bezug zur Pandemie nicht leugnen. Schwerpunkt im Reigen der 30 Werke, die sie bis Ostern im Alpinarium zeigt, sind Ikonen, also Heiligenbilder. Das Hauptwerk, das auch der Ausstellung den Titel gab, entstand im März 2020, als die erste Corona-Welle in Europa einschlug. „Ich kann und möchte nur darstellen, was in meinem Herzen steckt.“ Voriges Jahr im März trug sie, wie Millionen Menschen in aller Welt, große Sorgen, Verunsicherung und Zukunftsangst in ihrem Innersten. Das alles bringt sie im Gesicht der traurigen Schutzpatronin mit dem Kind zum Ausdruck. Auch eine Träne ist angedeutet. Über den Titel „Madonna della Corona“ – wörtlich übersetzt „Madonna von der Krone“ hat sie sehr wohl nachgedacht. „Für mich gibt es auch eine Verbindung zum Wallfahrtsort Madonna della Corona in der italienischen Provinz Venetien.“

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Mit 17 Jahren habe sie Malen „als Mittel gesehen, um meine Gefühle sichtbar zu machen“. Damals war es allerdings abstrakte Malerei. Mit 21 litt sie an Depressionen. Trotzdem führte sie ihr Ausbildungsweg nach Elbigenalp und nach Potsdam und Berlin. „Mit 25 habe ich die Depressionen überwunden. Es gab einen Wendepunkt in meinem Leben.“ Ikonen spielen seither eine wichtige Rolle. „Man schreibt Ikonen. Es ist betendes Malen“, gibt sie Einblick in ihre Welt. Technisch gesehen seien „Ikonenschreiben“ und Arbeiten mit dem Edelmetall Gold „einigermaßen aufwändig“.

Die Ausstellung „Madonna della Corona“ ist Samstag und Sonntag von 10 bis 18 Uhr zu sehen. www.alpinarium.at


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