Kontrollen in Tirol: Ohne Test war an der Grenze Schluss

Polizisten und Soldaten bezogen am Freitag an 44 Kontrollpunkten zu Deutschland, Italien, Vorarlberg und Salzburg Stellung. Die meisten Lenker hatten einen negativen Covid-Test griffbereit im Auto.

Polizeibeamte und Soldaten harrten bei minus 15 Grad und mäßigem Verkehrsaufkommen an der Mautstelle St. Jakob am Arlberg aus.
© Wenzel

Kufstein, Landeck, Reutte – Freitag um null Uhr waren die Grenzen dicht. Zumindest ohne negatives Corona-Testergebnis. Daher war der Andrang an der Teststraße in Kufstein an diesem Vormittag besonders groß. Nur Hunderte Meter davon entfernt, auf der B171, kam ohne entsprechenden Nachweis bereits niemand mehr an den Polizisten und Bundesheersoldaten vorbei. Zu früher Stunde versuchten in Niederndorf einige Pendler noch durchzuschlüpfen, wie dort von Beamten zu erfahren ist. Höflich aber entschieden wurden sie auf die Bestimmungen hingewiesen und mussten umkehren. „Aber im Großen und Ganzen“, so Astrid Mair, die stellvertretende Bezirkspolizeikommandantin von Kufstein, seien die Autofahrer „gut vorbereitet gewesen“. „Es gab auch keine größeren Aufregungen“, erzählt sie. Das zeigen auch die Zahlen: Lediglich 56 Personen wurden bis Mittag im Bezirk an den sechs Grenzübergängen und am Bahnhof Kufstein zurückgewiesen.

Fast wäre es auch einem älteren Mann so ergangen. Er hatte zwar ein Testergebnis, „aber er wusste nicht, wie er die SMS abrufen kann“, erzählt ein Grundwehrdiener am Niederndorfer Checkpoint schmunzelnd. Aber kein Problem: Der Soldat zeigte Herz, übernahm für ihn die Bedienung des Handys und der Mann konnte weiterfahren. Die Reaktionen der Autofahrer fallen unterschiedlich aus. Für einen Pendler ist es „echt lästig“, eine Frau hingegen zuckt nur die Schultern und meint – kein Problem, sie gehe eh regelmäßig testen. „Es bleiben eigentlich alle sehr freundlich“, freut sich daher eine junge Polizistin.

Es gibt dieser Tage wärmere Arbeitsplätze. Am Brenner weist ein Soldat einen Pkw ein, dessen Insassen Tests mitgebracht haben sollten.
© Böhm Thomas

Dienstantritt bei minus 15 Grad hieß es auch für rund 40 Soldaten bzw. Angehörige der Militärpolizei sowie Polizeibeamte in der Arlberg­region: Sie kontrollieren im Schichtdienst alle drei Straßenverbindungen von Tirol nach Vorarlberg – bei der Mautstelle St. Jakob, am Arlbergpass und an der Landesgrenze zwischen Steeg im Lechtal und Warth.

Die Testergebnisse der Reisenden wurden in Kufstein genau überprüft. Wer keinen gültigen vorweisen konnte, musste umkehren.
© Otter

Am frühen Morgen war wenig los auf der Arlbergschnell­straße S16 in Richtung Vorarlberg, in vier Stunden trafen 150 Pkw ein. Gegen 9.30 Uhr stoppte eine dunkle Limousine mit rumänischen Kennzeichen. Der Lenker wusste nichts von der verpflichtenden Bestätigung mit negativem Testergebnis. „Umdrehen und bei der S16-Ausfahrt in Pettneu testen lassen“, ordneten die Soldaten an.

TT-ePaper gratis lesen

Die Zeitung jederzeit digital abrufen, der Gratiszeitraum endet nach 4 Wochen automatisch.

TT ePaper
Auch an der Kontrollstelle Musau gelang keinem einzigen Pkw ohne Überprüfung der Eintritt nach Tirol.
© Helmut Mittermayr

„In vier Stunden mussten wir elf Pkw-Lenker zurückweisen“, schilderte Otmar Wechner, Chef der Autobahnpolizei Imst. „Sie wollen von der Testpflicht nichts gewusst haben. Die meisten zeigten Verständnis und haben sich dann testen lassen.“

Beim Testbus in Pettneu: Berufspendler Charly Walter freute sich über ein negatives Ergebnis.
© Wenzel

An der S16-Ausfahrt bei Pettneu ist ein Testbus des Landes mit Sanitätsteam und Bundesheer-Assistenz stationiert. „Bisher war es ruhig. Von Mitternacht bis in der Früh traf stündlich eine Person ein“, resümierte Heeressprecher Oberst Frank Nalter. „Am Vormittag ist die Frequenz etwas gestiegen.“ Der Servicebus stehe allen zur Testung zur Verfügung.

„Ich bin beruflich in Vorarlberg tätig“, verriet Charl­y Walter aus St. Anton nach seinem Testbus-Besuch. Für ihn sei die Testpflicht kein Problem. „Ich glaube, das ist sinnvoll, um die Virus-Mutationen einzudämmen.“ Sein Testergebnis war negativ, binnen fünf Minuten bekam er die schriftliche Bestätigung. Ein Pensionist aus Pettneu hatte sich ebenfalls eine negative Testbestätigung abgeholt. „Ich habe einen Zweitwohnsitz in Vorarlberg. Heute muss ich nachschauen, ob das Wasser nicht gefroren ist“, erzählte der Mann. Die restriktiven Maßnahmen zur Corona-Eindämmung in Tirol halte er für sinnvoll.

© APA

Im Außerfern hieß es gleich sieben Übergänge nach Deutschland und Vorarlberg zu kontrollieren. Nur die Strecke durch den Ammerwald wurde geschlossen. Das war für die Polizei vor Ort nicht zu schaffen. 40 Polizisten und noch mehr Soldaten im Assistenzeinsatz wurden deshalb in den Bezirk Reutte verlegt und wegen der großen Distanzen dort auch gleich in Hotels und anderen Unterkünften untergebracht.

Dass Ausnahmesituationen gern auch kreative Lösungen zu Tage fördern, zeigte Edi Glätzle, Angestellter des Autohauses Schweiger in Reutte. Ein deutscher Käufer traute sich am Freitag nicht mehr nach Reutte, um sein neues Fahrzeug abzuholen. Also fand diese Übergabe einfach bei Vils im deutsch/österreichischen Niemandsland statt. (wo, hwe, hm)


Kommentieren


Schlagworte