Voilà! Voler:“ Judith Klemenc: von Federleichte Stofflichkeit

Mit „Voilà! Voler:“ eröffnet Judith Klemenc ihre erste Einzelschau für „Reich für die Insel“.

Die Frau als Verführerin und Mutter: Klemencs „Voilà! Voler:“ ist bei „Reich für die Insel“ im Glaskubus beim Landestheater zu sehen.
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Innsbruck – Sie sind geblieben. Obwohl das Ende der Initiative „Reich für die Insel“ im zentralen Glaskubus vor dem Tiroler Landestheater schon feststand. Wohl auch Corona sei Dank kann Initiator Severin Sonnewend dort seit dem Wochenende neueste Arbeiten von Judith Klemenc ausstellen, die die Tiroler Künstlerin unter dem Motto „Voilà! Voler:“ zusammengefasst hat.

Begrüßt werden Interessierte von ihren Arbeiten bereits vor dem Eingang. Spuren, Fußabgüsse der Künstlerin, führen in die Ausstellung. Dort trifft man zunächst auf Klemencs bevorzugtes Material, den Ton, mit dem sie nicht zuletzt wegen seiner Archaik am liebsten arbeitet. Geformt hat die Künstlerin in ihrer Installation „worlds“, eiförmige Welten, mit denen das Verhältnis von Welten und Grenzen abgewogen wird und auch die Vorstellung einer „weißen Welt“ gegenständlich wird. Und am Ende liegen alle Welten in Scherben. Die Aufgabe, Grenzen aufzuheben, hat auch die Installation „together“, in der Individuen zu einer Einheit verschmelzen.

Mit vermeintlich klassisch weiblichen Stoffen ist das Obergeschoß bestückt. Dort wächst „amen II“, ein weicher, warmer, sanft leuchtender Körper die Glaswände hoch. Und wird dort mit Boxhandschuhen zur wehrhaften Kraft. Weibliches Empowerment, versinnbildlicht durch das „Ausbrechen aus dem Rahmen“ (in „beyond the frame“), führt zur nüchtern, gar sterilen Installation „0815 II“, bei der der Gleichmacher intravenös verabreicht wird. Werden Menschen erst alle gleich, wenn alle 0815 sind?

Klemenc spielt mit Kritik an Heteronormativität und dem Drang zu Individualismus. Manchmal plakativ, zuweilen federleicht. Ihre Ausstellung hat sich jedenfalls streng dem aktuell Relevanten verschrieben. (bunt)

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