Kritik an Verträgen zur Raumordnung in Westendorf

Westendorf hat vor Kurzem bei den Raumordnungsverträgen deutlich nachgeschärft. Ein Hotelier will deshalb seinen Betrieb nicht mehr erweitern.

Von Harald Angerer

Westendorf – Der Kampf gegen illegale Freizeitwohnsitze und um leistbaren Wohnraum für Einheimische gehört für die Gemeinden im Bezirk Kitzbühel zum Alltag. Oft sind sie dabei in der Kritik, zu locker mit den illegalen Freizeitwohnsitzen umzugehen. Doch Kritik gibt’s auch, wenn die Gemeinden hier nachschärfen. Wie zuletzt die Gemeinde Westendorf. Erst vor zwei Jahren wurde ein sehr strikter Raumordnungsvertrag ausgearbeitet, um eben genau solche illegalen Freizeitwohnsitze zu verhindern. Erst im vergangenen Oktober wurde dieser Vertrag noch einmal nachgeschärft.

Und genau das sorgt nun für Kritik vor allem von Seiten der Wirtschaft. Bei der letzten Gemeinderatssitzung brachte GR Josef Lenk (Wirtschaft) eine solche Kritik eines Hoteliers vor. „Wir haben jetzt genau so einen Fall, vor dem ich schon beim Beschluss der Nachschärfung gewarnt habe“, sagt Lenk. Ein Hotelier im Ort will genau wegen der neuen Einschränkungen seinen Betrieb nicht weiter ausbauen. „Dazu wurde ihm nun von der Bank und dem Steuerberater geraten. Das Projekt sei so nicht mehr finanzierbar“, schildert Lenk und fügt hinzu: „Wir sind hier schon auf einem extremen Weg.“

Es geht hier vor allem um einen neuen Passus in den Verträgen, in dem bei Wohngebäuden bzw. Wohnanlagen mit einer Gesamtnutzfläche ab 300 m2 50 % der Nutzfläche an Einheimische zu Wohnbauförderungspreisen veräußert werden müssen. Die restlichen 50 % können frei verkauft werden. Auch hat die Gemeinde ein Vorkaufsrecht von 25 Jahren. Das sei dem Hotelier ein Dorn im Auge. Er wolle den Betrieb mit Luxussuiten erweitern, schildert Lenk. Es sei aber nicht klar, ob sein Sohn den Betrieb irgendwann übernimmt, daher sind die 25 Jahre Vorkaufsrecht der Gemeinde für ihn nicht vorstellbar.“ Es sind hier keine Wohnungen geplant, für solche Fälle muss es eine Ausnahme geben“, fordert dehalb Lenk.

Kein Verständnis zeigt Vizebürgermeister Walter Leitner-Hölzl (AAB). „Wenn es ein Hotel bleiben soll, sind die 25 Jahre ja eh kein Thema, und falls er doch Wohnungen draus machen möchte, darf er das ja auch. Hier muss dann halt die Hälfte an Einheimische gehen“, sagt Leitner-Hölzl. Er sieht in dem Raumordnungsvertrag keine Einschränkung für den Hotelier. Und auch GR Michael Vorderwinkler (WIR) schlägt in dieselbe Kerbe, auch er sieht keine Einschränkung für das geplante Vorhaben und hält fest: „Die Maßnahmen müssen für alle gleich gelten.“ „Man kann es auch anders sehen, dass wir 50 Prozent frei verkäuflich ermöglichen, ist großzügig“, sagt dazu Bürgermeisterin Annemarie Plieseis (WIR). Immerhin bekomme der Hotelier die Möglichkeit, seinen Betrieb um einen weiteren Stock aufzustocken. Eine Einschränkung sieht auch sie nicht. Für sie ist der Raumordnungsvertrag wichtig, um „das Dorf für die Einheimischen zu erhalten“.


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