Frust in Gastro, Kultur und Hotellerie: „Wieder keine Perspektive“

Vertröstungen statt konkreter Öffnungs-Perspektiven: Bei Tirols Hotellerie, Gastronomie und in der Kulturbranche herrscht großer Frust über die Lockdown-Verlängerung.

Immer noch ohne Aussicht auf Öffnung: Wirtshäuser, Hotels und auch weite Bereiche der Kulturbranche bleiben vorerst geschlossen.
© Getty Images/iStockphoto

Wien – Seit 2. November 2020, also seit 15 Wochen, sind Gasthäuser und Restaurants geschlossen, ebenso Hotels für Urlauber. Auch Kulturbetriebe und Freizeiteinrichtungen wie Theater und Kinos sind seither zu. Daran wird sich vorerst auch nichts ändern. Die türkis-grüne Regierung verlängert den Lockdown für die Gastronomie, den Tourismus und den Kulturbereich bis „rund um Ostern“, erklärte Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) am Montagnachmittag nach Beratungen mit Experten, Ländern und den Parlamentsparteien. Ein konkretes Datum, wann die betroffenen Branchen aufsperren dürfen, wurde zunächst nicht genannt. Am 1. März wolle man erneut beraten. Die Infektionslage sei nach Öffnung des gesamten Handels aber nach wie vor stabil, sagte Kurz.

„Das ist eine absolute Katastrophennachricht. Wir haben eine Perspektive erwartet und jetzt aber wieder keine konkrete Perspektive bekommen“, sagt Tirols Hotelsprecher Mario Gerber. Gesundheit gehe vor, aber mit „rund um Ostern“ könne die Branche wenig anfangen. Es gebe Betriebe, die trotz Reiseeinschränkungen aufsperren möchten. Laut einer Umfrage der Hoteliervereinigung (ÖHV) würden zwischen 50 und 65 % der Top-Hotellerie trotz schlechter Auslastung sobald wie möglich aufsperren wollen. „Wir hätten tolle Sicherheitskonzepte. Ähnlich wie im Handel hätte es auch bei uns funktioniert“, sagt Gerber. Nun seien umso mehr Hilfen für die Branche nötig: „Sonst steuern wir auf ein Pleiten-Erdbeben zu.“

Enttäuscht über die Lockdown-Verlängerung ist auch Tirols Gastro-Sprecher Alois Rainer. „Gesundheit geht vor, aber das Unverständnis bei den Wirten ist riesengroß“, sagt Rainer. Inzwischen habe sich bei den Wirten eine Mischung aus Resignation und Verzweiflung breitgemacht. „Viele stehen mit dem Rücken zur Wand. Bei zahlreichen Kleinst- und Kleinbetrieben, den Säulen der Wirtschaft, geht es um die Existenz.“ Rainer fordert für die angepeilten Lockerungen rund um Ostern eine „Öffnung ohne große Auflagen“ – also ohne 20-Quadratmeter-Beschränkung wie im Handel. Zudem fordert er, für die gesamte Berg-Gastronomie Take-away-Angebote zu erlauben. „Mit der Testpflicht sind eh nur Covid-negative Skifahrer mit Maske unterwegs“, so Rainer.

Heftige Kritik am verlängerten Lockdown kommt auch aus der Tiroler Kulturbranche. Als „mehr als zermürbend“ bezeichnete Johannes Reitmeier, Intendant des Tiroler Landestheaters, die Situation. Bis dato gebe es seitens der Politik allenfalls Vertröstungen, aber keinerlei realistische Perspektiven für die gesamte Branche. „Es ist sehr wahrscheinlich, dass nach dem Öffnen des Handels und der körpernahen Dienstleister die Infektionszahlen im Land zumindest nicht fallen werden. Wenn als Konsequenz dessen Theater und Konzertsäle weiterhin dicht bleiben müssen, wäre das ein fatales Signal“, betonte Reitmeier. Er frage sich, welchen Sinn die erzielte Einigung auf das Zugangstesten zu den Vorstellungen dann gehabt haben soll, so der Intendant. „Wenn Gastronomie und Hotellerie mit Einschränkungen geöffnet werden, muss die Kultur unter Berücksichtigung ihrer Präventionskonzepte mit von der Partie sein. Für alles andere fehlt mir das Verständnis“, so Reitmeier.

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„Ein baldiges weiteres, schrittweises Aufsperren ist unerlässlich“, fordert auch die IG Autorinnen Autoren. „Außer Vertröstungen auf unbestimmte Zeit und Verschiebungen von Entscheidungen hat die Politik dem Kulturveranstaltungsbetrieb derzeit nicht viel zu bieten“, beklagte Geschäftsführer Gerhard ­Ruiss. (mas, APA)


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