Kulturinitiativen: Teuflische Details von zugesagten Corona-Hilfen

Im Fall der ehrenamtlichen Kulturinitiativen greift manches Covid-Hilfspaket nicht oder mit Verspätung.

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© Thomas Böhm

Innsbruck – Die jüngste Wasserstandsmeldung von Bundeskanzler Kurz bestätigt vollinhaltlich jede düstere Vorahnung: weiterhin kein Kulturbetrieb vor Live-Publikum bis mindestens Ostern, soll heißen bis Anfang April. Seit November, das sind inzwischen mehr als 100 Tage, muss die kreative Szene nun schon im Corona-Lockdown ausharren. Ende ungewiss.

Helene Schnitzer (Tiroler Kulturinitiativen TKI): „Es ist zu befürchten, dass vielen die Zeit und die Energie fehlen werden, um sich weiterhin zu engagieren.“
© TKI/Haupt

Die Regierungen von Bund und Land schießen Millionen an Hilfsgeldern zu, in der Hoffnung, den größten Schaden vom Kulturbetrieb irgendwie noch abzuwenden.

Die Ankündigungen klingen gut, doch der Teufel steckt im Detail. Oft dauert es lange, bis zugesagte Hilfen tatsächlich eintreffen. Helene Schnitzer, Geschäftsführerin der Tiroler Kulturinitiativen (TKI), berichtet von Hilfsgeldern, die seit November ausständig sind. Damals wurde vom Bund jenen Betrieben, die wegen Corona schließen mussten, auch solchen aus dem Kulturbereich, ein „Umsatzersatz“ für entgangene Einnahmen in Aussicht gestellt: 80 Prozent Ersatz für den November, 50 Prozent für den Dezember (gemessen am Umsatz der entsprechenden Monate des Jahres 2019). „In der Praxis fielen gemeinnützige Kulturvereine, weil umsatzsteuerbefreit, aber nicht unter diese Ersatz-Regelung“, berichtet Schnitzer.

Abhilfe sollte da der Fonds für Non-Profit-Organisationen („NPO-Fonds“) des Bundes schaffen, der in zwei Tranchen mit bisher 950 Millionen Euro bestückt wurde. Gemeinnützige Vereine sollten daraus Einnahmenverluste in Form eines „Lockdown-Zuschusses“ abgegolten erhalten. Allein, die nötige Änderung der Fonds-Richtlinien lässt auf sich warten. „Weil noch weitere Details eingearbeitet werden müssen“, bittet der Sprecher von Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer auf Nachfrage der TT noch um etwas Geduld. Ende Februar sollen die Richtlinien dann aber vorliegen.

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Der NPO-Fonds werde auch 2021 weitergeführt, heißt es im Kulturstaatssekretariat. Das erste Quartal sei schon fixiert, wahrscheinlich werde der Fonds aber zumindest bis Jahresmitte in dieser Form zur Verfügung stehen.

Zurück zur gelebten Praxis in Tirol. Hier hat TKI-Leiterin Schnitzer noch ein zweites Fallbeispiel parat, das zeigt, wie unterschiedlich die Hilfen greifen. Es geht um den „Schutzschild“ für die geplanten Veranstaltungen, die wegen der Pandemie abgesagt werden müssen. Bis zu 90 Prozent der förderbaren Kosten will der Bund in solchen Fällen erstatten. Kleinere Vereine fallen aber auch um dieses Angebot um. Denn: „Eine Veranstaltung muss Umsätze von zumindest 15.000 Euro erreichen“, weiß Schnitzer. „Das schaffen nur größere Veranstalter, die beispielsweise Messen ausrichten.“

Schnitzers Blick voraus ist aufgrund eines Mangels an klaren Perspektiven von erheblichem Bauchweh begleitet: „Es ist zu befürchten, dass manchen angesichts ständiger Umplanungen und großer Unsicherheit die Zeit und die Energie fehlen werden, um sich weiterhin ehrenamtlich für einen Kulturverein zu engagieren.“ Das hätte zwangsläufig einen Verlust von Kultur zur Folge. (mark)


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