Volk könnte über Zukunft des Wörgler Wave entscheiden

2605 Wörgler forderten in Unterschriftenaktion den Erhalt des Bades. Nun folgt eine Volksbefragung. BM Wechner koppelt das Ergebnis an die Wahlbeteiligung.

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Schließen oder sanieren? Über die Zukunft des Wave sollen die Wörgler in einer Volksbefragung abstimmen. Der Antrag auf Schließung wurde bei der Gemeinderatssitzung abgesetzt – ein neuer für die Abstimmung eingebracht.
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Von Jasmine Hrdina

Wörgl – Mehr als zwei Stunden Diskussion und zwei Sitzungsunterbrechungen brachten die Entscheidung rund um die Zukunft der Wörgler Wasserwelt Wave bei der gestrigen Gemeinderatssitzung. Alle Zeichen deuteten auf eine Schließung, dann kam die Wende: Innerhalb der nächsten acht Wochen sollen die Wörgler Bürger entscheiden, wie es mit dem 18 Jahre alten Erlebnisbad weitergehen soll. Sofern überhaupt genug Personen mitstimmen. „Wenn 70 Prozent aller Wahlberechtigten teilnehmen, ist das Ergebnis für mich bindend“, nannte BM Hedi Wechner (Liste Hedi Wechner) ihre Bedingung. Das entspricht knapp 7000 Wahlberechtigten.

Die Stadtchefin betonte im Vorfeld – wie auch bei der gestrigen Sitzung –, der Gemeinderat sei „gewählt, um Entscheidungen zu treffen. Auch wenn diese nicht schön und unpopulär sind.“ Einer bereits vor Monaten von den Wörgler Grünen vorgeschlagenen Volksbefragung zum Wave erteilte sie eine Absage. Dass sie nun doch auf ein demokratisches Instrument zurückgreifen will, liegt vor allem am zunehmenden Druck aus der Bevölkerung: 2605 Unterschriften sammelte die Bürgerinitiative zur Rettung des Wave auf Anstoß von VP-Stadtparteichef Michael Riedhart (Junge Wörgler Liste) in den vergangenen zwei Wochen. Diese „sind für mich von Bedeutung“, bekundete die Bürgermeisterin.

VP-GR Michael Riedhart übergab 2605 Unterschriften „pro Wave“ an BM Hedi Wechner.
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Eingebracht wurde der Antrag letztlich von allen Parteien, die sich nach einigen Wortgefechten samt Sitzungsunterbrechung auf die Fragestellung einigen konnten: „Soll die Wörgler Wasserwelt Wave saniert werden und die Stadtgemeinde die Kosten durch Aufnahme eines zusätzlichen Bankkredits finanzieren?“ Darüber entscheiden die knapp 10.000 Wahlberechtigten in den kommenden zwei Monaten. Innerhalb der nächsten sieben Tage muss die Volksbefragung samt Termin ausgeschrieben werden.

Vor dieser Entscheidung gab der Gemeinderat einen Liquiditätszuschuss von einer Million Euro für das Wave frei. „Und 900.000 Euro haben wir bereits bezahlt“, wies Wechner auf anstehende Ausbauten dringend benötigter Infrastruktur wie Schulen und Kindergärten hin.

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Die Zahlen sprechen lassen wollte auch Johannes Schmidt. Jener Sachverständige, der dem Gremium ein „Best of“ der Baumängel und Problemzonen des Bades präsentierte. „Es ist aus meiner Sicht unverantwortlich, auf dieses tote Pferd zu setzen, um dann festzustellen, dass man nur unheimlich viel Geld versenkt und Zeit verloren hat“, resümierte Schmidt und legte dem Gemeinderat nahe, auf eine Projektierung eines neuen Regionalbades zu setzen.

Der Antrag auf Schließung wurde bei der Gemeinderatssitzung abgesetzt – ein neuer für die Abstimmung eingebracht
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Wäre es eine Option, das Wave bis dahin offen zu lassen, wollten GR Kayahan Kaya (Bürgerliste Wörgler Volkspartei) und Catarina Becherstorfer (Wörgler Grüne) wissen. Immerhin wurde die Bedeutung des Wave für die Bevölkerung in den vergangenen Wochen deutlich. Schmidt riet ab. „Ein Betrieb auf Sicht ist die teuerste Lösung. Es wird immer wieder nötig sein, spontan Geld zu investieren.“ Und: „Einige Gebäudeteile sind gar nicht mehr sanierbar.“ Bereits bei der Errichtung sei es nämlich zu erheblichen Baumängeln gekommen.

Diese Expertise basiert auf einem von Schmidt erstellten Gutachten aus dem Jahr 2008, seither wurde vieles saniert, hielten einige Mandatare dagegen. Zudem sei das Vorgutachten aus dem Sommer 2019 nur eine „augenscheinliche Befunderfas sung“ (Schmidt).

GR Andreas Taxacher (Team Wörgl) forderte einmal mehr solide Untersuchungen bzw. ein aktuelles Gutachten. Die ohnehin marode Bausubstanz sei mit den Jahren sicher nicht besser geworden, konterte Wechner.

Vier bis fünf Jahre würde es allemal dauern, bis ein neues Bad stehen kann, blickte Schmidt voraus. Die Kosten schätzt er bei einer Ausstattung ähnlich der aktuellen auf 30 bis 50 Mio. Euro. „Je nachdem, was man haben will. Es gibt Bäder für 200 
Mio. Euro.“


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