Sammellust bis ins Wohnzimmer: Tiroler Paar sammelt aus Leidenschaft

Erika und Walter Felkel sind nicht nur die Seele des Jenbacher Museums, von welchem heuer das 25-Jahr-Jubiläum gefeiert wird, sie haben auch ihren Wohnraum (fast) zu einem Museum gemacht.

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Erika Felkel mit ihrer ersten Puppe. Auf der Vitrine hinter ihr sieht man einen Teil ihrer umfangreichen Bügeleisen-Sammlung.
© hoerhager

Von Peter Hörhager

Jenbach – Von den Sprunglatten, mit denen Toni Innauer 1980 zur Olympischen Goldmedaille sprang, bis zum „Arschleder“, auf/mit welchem früher Knappen in die Tiroler Unterwelt einfuhren, von der 100 kg schweren Riesenmördermuschel bis zur lückenlosen Sensen-Kollektion, die einst in der Kasbachgemeinde hergestellt wurde – das und ein paar Tausend weitere Exponate sind im Jenbacher Museum ausgestellt. In 17 Räumen (zwei sind für Sonderausstellungen reserviert) werden ein Dutzend zeit- und naturgeschichtliche Themen aufgearbeitet.

Der Österreichische und Tiroler Museumspreis sowie das Österreichische Museumsgütesiegel belegen die von der Fachwelt anerkannte Qualität des Museums, das vor 25 Jahren eröffnet wurde. Wobei das Museumsgebäude selbst Geschichte atmet. Erste Besitzer des „Reitlingerhauses“, wie es die Jenbacher nennen, waren wohl Bergleute, die es als „Schrofenhaus“ bezeichneten. Diesen folgten ebenso bekannte wie reiche Augsburger: die Fugger. Sie hatten als Nutzer (und Ausbeuter) des Schwazer Bergwerks Ende des 15. Jahrhunderts die Schmelzhütten nach Jenbach verlegt und zogen in dieses Haus ein.

Private Sammelobjekte in der Felkel-Wohnung.
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1880 erwarb die Fam. Reitlinger das Haus und baute es zu einem Herrensitz aus. Mit der Übernahme der Jenbacher Werke durch Prof. Heinkel ging das Haus in dessen Besitz über. Mit Kriegsende übernahm wieder die Fam. Reitlinger das Haus, verkaufte es dann aber 1974 an die Gemeinde Jenbach. Diese nutzte das mehrstöckige Gebäude als Wohn-, Büro- und Vereinshaus.

1991 bildete sich ein Museumsverein, der eine Nutzung des „Reitlingerhaus“ als Museum anstrebte. Da die Gemeinde diesen Bestrebungen positiv gegenüberstand, wurde das Projekt Museum in Angriff genommen und Zug um Zug zur heutigen Struktur ausgebaut. Apropos Zug: Ein Raum verdeutlicht die spezielle Situation von Jenbach als Verkehrsknoten, in welchem sich drei Bahntypen treffen: Bundesbahn, Zillertalbahn, Achenseebahn. Als markanter Hingucker steht vor dem Museum die erste Dampflok der Zillertalbahn.

Erika Felkel vor der in Jenbach hergestellten Sensen-Kollektion.
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Der Museumsverein zählt inzwischen an die 600 Mitglieder. Obmann ist Walter Felkel, der mit Gattin Erika – ehrenamtlich, aber mit viel Herzblut – das Museum leitet, das als zweiter Wohnraum des Paares bezeichnet werden darf. Beim Betreten des „richtigen“ Wohnraumes der zwei Jenbacher erlebte ich eine Überraschung: Auch dieser ist im Grunde genommen ein Museum. Jedenfalls sind beiden in dem Buch „Sammler in Tirol“ nicht grundlos eigene Kapitel gewidmet. „Ich habe nie etwas weggeworfen“, erklärt lachend Erika Felkel ihre Leidenschaft.

Walter Felkel im Jenbacher Museum mit den „olympischen“ Sprungskiern von Toni Innauer.
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Müßig zu erwähnen, dass die pensionierte VS-Lehrerin und der ehemalige HTL-Professor Stammgäste auf Flohmärkten sind. Bügeleisen (fast 300), Dutzende Schneekugeln und mehr als hundert Kaffeemühlen füllen viele Regale in der Felkel-Wohnung. Dazu kommen prall gefüllte Ordner mit Adventkalendern aus verschiedensten Regionen. Die Sammelobjekte von Walter Felkel benötigen weniger Platz. Objekte seiner Begierde sind Notgeld-Scheine (die Sammlung umfasst inzwischen mehrere tausend Stück), dazu kommt eine umfangreiche Briefmarken-Sammlung. „Und auch alte Aktien bzw. Obligationen habe ich im Visier“, nennt der langjährige Ortschronist ein weiteres Sammelgebiet. Kurzum: Zeugnisse der Sammellust der beiden Jenbacher sind Blickfang in jedem Raum. Verstaut sind sie großteils auch in oder auf Antiquitäten – in sorgfältig abgebeizten Kredenzen und Truhen.

Das Haus am Dr.-Neuner-Weg, dem Jenbach quasi zu Füßen liegt, wurde 1950 von den Eltern von Walter Felkel gebaut. Kennen gelernt haben sich Erika und Walter Felkel übrigens singend – als Teenager im Jugendchor. Nach ihrer Heirat im Jahre 1970 richteten sie sich im Elternhaus ein Schlafzimmer und ein eigenes Wohnzimmer ein. Aus dem Duo wurde in den nächsten Jahren ein Quintett. „Die Kinder sind erwachsen und längst flügge, inzwischen leben wir nur noch zu zweit in dem großen Haus“, erzählt Erika Felkel. „Die Familie wächst weiter, wir haben schon acht Enkel“, ergänzt ihr Gatte.

Walter Felkel mit einem der Alben, in denen er Tausende Notgeld-Scheine aus allen Teilen Tirols bewahrt.
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An der Raumeinteilung hat sich nichts geändert. Eine neue Wärmedämmung und ein Fenstertausch waren die wichtigsten Maßnahmen in den letzten Jahren. Bei der Überdachung des Aufgangs oder beim Gartenhaus hat der HTL-Lehrer selbst sein handwerkliches Geschick unter Beweis gestellt. „Gemütlich“, „unspektakulär“, „bodenständig“ und – lachende Zusatzbemerkung von Walter Felkel – „gefüllt“ sind Begriffe, die die Felkels für ihr Domizil nennen. „Und wer staubt ab?“, wage ich zu fragen. „Gottlob habe ich dafür einen hilfreichen Geist“, lacht Erika Felkel.

In der warmen Jahreszeit sind auch der Garten und die Laube viel genutzte Aufenthaltsorte. Im Sommer werden solche auch außerhalb Österreichs angepeilt – als Lehrer haben sie ihren Wohnwagen in den Ferien intensiv als mobilen Wohnsitz genutzt. Bevorzugtes Ziel: Griechenland. Müßig zu erwähnen, dass dann auch von dort das eine oder andere Sammlerstück in Jenbach landete ...

Alte Kredenzen und Truhen im Felkel-Haus bergen viele, viele Sammlerstücke des Jenbacher Paares.
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