Katastrophale Bilanz: Tirol ist mit 11,7 Mio. Nächtigungen im Halbzeit-Minus

Seit November ist Tirols Tourismus durch den Lockdown lahmgelegt, mit dramatischen Folgen: Bis Ende Jänner brachen die Nächtigungen um 97 Prozent ein. Die Aussichten bis Saison-Ende sind extrem trüb.

Der Tourismus erlebt den schlechtesten Winter der Nachkriegszeit.
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Von Alois Vahrner

Innsbruck – Im Vorjahr war Tirols Tourismus wegen der kräftig gestiegenen Corona-Zahlen Mitte März in die Zwangspause geschickt worden – allerdings nach vorangegangenen Rekord-Monaten, wodurch das gesamte Saison-Minus etwas in Grenzen gehalten wurde. In dieser Wintersaison sind Hotellerie und Gastronomie seit dreieinhalb Monaten zu, außer Geschäftsreisen herrscht absoluter Stillstand.

Laut der aktuellen Tourismus-Statistik sieht die Halbzeit-Bilanz (November bis Ende Jänner) entsprechend katastrophal aus: Mit insgesamt gerade einmal knapp 362.000 Nächtigungen gab es einen Einbruch um 97 Prozent. Oder anders gesagt: Dem Tiroler Tourismus fehlten in den drei ersten Wintersaison-Monaten fast 11,7 Mio. Nächtigungen. Massivste Einbrüche gab es quer durchs Land, über alle Nächtigungskategorien hinweg.

Milliardenverlust im Winter

Aus dem mit Abstand wichtigsten Herkunftsland Deutschland, das Tirol bereits vorher mit einer Reisewarnung bedacht hatte, gab es mit minus 99,3 Prozent praktisch einen Totalausfall. Die Deutschen sorgen in normalen Jahren für etwas mehr als die Hälfte aller Tiroler Nächtigungen. Auch aus den meisten anderen Ländern wie Holland, der Schweiz, Großbritannien oder Russland gab es annähernd Komplett-Ausfälle. Österreicher sorgten für über 172.000 Nächtigungen und führten damit vor den Deutschen (etwa 45.800) und dahinter Polen (etwa 26.500), der Slowakei (15.900) und Ungarn (12.000) die Rangliste an.

Im Winter, in dem sonst nahezu zwei Drittel der Jahreseinnahmen lukriert werden, verliert das führende Tourismusland Tirol heuer Milliarden – zumal auch die weiteren Aussichten höchst unsicher sind. Im Februar, dem sonst nächtigungsstärksten Wintermonat, ist ohnehin weiter geschlossen. Die türkis-grüne Bundesregierung wollte bis vor Kurzem frühestens ab Ostern Öffnungen zulassen, wenn die Infektionszahlen im Griff sind, jetzt ist mit Tests und Konzepten auch eine Öffnung im Laufe des März in Diskussion.

Für Gastronomen und Hoteliers ist eine frühere Öffnung möglich. Wirtschaftskammer und Hoteliervereinigung (ÖHV) sehen ein „sicheres Öffnen mit Teststrategie“. Das müsse zeitnahe möglich sein, sagt ÖHV-Sprecher Martin Stanits. Dass dies möglich sei, habe der vergangene Sommer gezeigt. Touristiker verweisen dabei auf größere Abstände, FFP2-Masken und verstärktes Testen. Vorgeschlagen hat die ÖHV die Errichtung von Teststraßen in größeren Hotels in ländlichen Regionen. Dort könnten dann Gäste, Mitarbeiter und auch die lokale Bevölkerung getestet werden.


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