Produktpiraterie kostet Branchen und Fiskus 34 Milliarden

Produktpiraterie verursachte allein 2020 in den vier besonders betroffenen Branchen Umsatzeinbußen von bis zu 19 Mrd. Euro.

Allein in Österreich verlieren die Unternehmen durch Produktpiraterie über eine Milliarde Euro an Umsatz.
© BMF

Alicante – Die europäischen Zollkontrollen zur Bekämpfung gefälschter Markenprodukte sind unzureichend und falsch ausgerichtet. So würden die meisten Waren dieser Art bei kleinen Postsendungen aus dem Ausland herausgefischt, während der Großteil gefälschter und teilweise gefährlicher Plagiate in kaum kontrollierten großen Seecontainern transportiert werde, schreibt die EU-Agentur für geistiges Eigentum (EUIPO) in einer Aussendung.

Illegale Waren wie Drogen, Waffen oder Wildtiere könnten zwar durch Röntgen- oder Gammastrahlen-Scans der Container entdeckt werden. Bei gefälschten Waren versage diese Technik aber und es bleibe nur die aufwändige physische Kontrolle durch die ohnehin durch den zunehmenden Warenverkehr überlasteten Zollbehörden. Zurzeit würden weniger als zwei Prozent aller Container physisch, also per Hand, auf gefälschte Waren durchsucht.

Wie groß das Problem ist, machte die EUIPO schon im vergangenen Jahr deutlich. So entgehen den Staaten demnach schätzungsweise Steuereinnahmen in Höhe von insgesamt 15 Mrd. Euro pro Jahr. Die Fälscher verursachten allein in den vier besonders betroffenen Branchen Kosmetik und Körperpflege, Weine und Spirituosen, pharmazeutische Erzeugnisse sowie Spielwaren und Spiele jährliche Umsatzeinbußen von bis zu 19 Mrd. Euro.

In Österreich betrug laut Finanzministerium der Verlust durch Fälschungen 2019 etwas über sieben Prozent der jährlich erwirtschafteten direkten Umsätze, das sind mehr als eine Milliarde Euro pro Jahr und bedeute einen Verlust von 8273 Arbeitsplätzen. Am stärksten betroffen seien der Bekleidungs- und Schuhwarensektor mit Einbußen von 634 Mio. Euro und der Bereich der Kosmetika und Körperpflegeprodukte mit 145 Mio. Euro.

Dennoch hätten illegale Sendungen mit Fälschungen für den Zoll keine sehr hohe Priorität, da sie anders als beim Waffen- oder Drogenschmuggel nur als „Handelsverstöße“ und nicht als Machenschaften krimineller Netzwerke wahrgenommen würden. Das aber sei ein Fehlschluss. Der Handel mit gefälschten Waren gefährde nicht nur Innovationen und Wirtschaftswachstum, sondern werde zunehmend auch zu einer wichtigen Einnahmequelle für organisierte kriminelle Gruppen. (APA, TT)


Kommentieren


Schlagworte