Prozess in Linz um bewusste Corona-Ansteckung der Ex-Frau

Weil er seine Ex-Frau absichtlich mit Covid-19 angesteckt und auch einmal attackiert und verletzt haben soll, hat sich ein 63-Jähriger am Dienstag in Linz vor Gericht verantworten müssen. Ihm wird versuchte schwere Körperverletzung, vorsätzliche Gefährdung von Menschen durch übertragbare Krankheiten und Nötigung zur Last gelegt. Der Prozess wurde auf 6. April vertagt, es sollen noch weitere Zeugen gehört werden.

Anfang November erkrankte der Mann an Covid-19 und wurde unter Quarantäne gestellt. Er soll aber zu Hause konsequent auf einen Mund-Nasenschutz verzichtet, immer wieder in Richtung seiner Ex-Frau gehustet und sogar deren Handtuch benutzt haben - alles in der Absicht sie anzustecken, so die Staatsanwaltschaft. Zudem soll er die 70-Jährige einmal gegen den Türstock gedrückt und dabei leicht verletzt haben.

Als der Angeklagte Corona hatte, war das Paar bereits geschieden, lebte aber vorübergehend noch im selben Haushalt. Für sie stehe fest, dass ihr Mann versucht habe, sie zu vertreiben, so die Ex-Frau. Der frühere Gatte bestreitet die Vorwürfe, vielmehr sei sie öfter zu ihm in sein Schlafzimmer gekommen, um ihn zurechtzuweisen, wenn er „in der Küche ein Glas stehen lassen habe“. Allerdings gab er zu, dass er sich die Vorschriften im Absonderungsbescheid „nicht so genau durchgelesen“ habe, während seine Frau sagte, sie habe ihn studiert und entsprechend gehandelt - etwa einen Benützungsplan für die Küche aufgestellt und regelmäßig desinfiziert. Ihr Mann habe die Küche wirklich oft unordentlich hinterlassen, „aber deswegen bin ich nicht zu ihm ins Zimmer reingegangen“.

Aus den Zeugenaussagen wurde klar, dass der Haussegen bereits sehr schief hing. Die beiden Ex-Eheleute schilderten die Vorfälle komplett unterschiedlich. Er behauptete, sie habe ihn nach dem positiven Test gar nicht mehr ins Haus lassen wollen, auch früher habe er bereits mehrmals Wochenenden draußen verbringen müssen. Die Frau berichtete hingegen, dass er sich zuerst trotz Symptomen geweigert habe, überhaupt einen Test zu machen und erst zum Arzt gegangen sei, nachdem sie die Behörde informiert habe. Auch habe er sich ohne Maske vor die Wohnung der Tochter im Erdgeschoß gesetzt, damit diese nicht hereinkann. Die Tochter bestätigte das unter Tränen und legte sogar ein Foto vor. Hintergrund war, dass der Vater offenbar wollte, dass auch die Tochter rascher als geplant auszieht.

Den Angriff, bei dem die Frau verletzt wurde, leugnete der Angeklagte ebenfalls. Er behauptet, die Frau sei zu diesem Zeitpunkt gar nicht zu Hause gewesen. Die Tochter bestätigte hingegen, dass die Mutter danach völlig aufgelöst „in Hausschuhen“ zu ihr gekommen sei. Die Tochter habe dann die Polizei verständigt und die Mutter zum Arzt gebracht. Mehrere Zeugen sollen in der nächsten Verhandlung Licht in diese Widersprüche bringen. Dem Angeklagten drohen im Fall eines Schuldspruchs sechs Monate bis fünf Jahre Haft.


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