Langlauf-Aushängeschild Stadlober: „Haben viele saubere Sportler verloren“

Teresa Stadlober ist die einzige ÖSV-Langläuferin, der man bei der WM in Oberstdorf eine Top-Platzierung zutraut. Hinter der 28-Jährigen klafft seit Seefeld 2019 eine Lücke.

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Die Steirerin Teresa Stadlober zählt zur Weltspitze.
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Von Benjamin Kiechl

Oberstdorf – Die WM 2019 in Seefeld begeisterte die Fans. Wie ein Damoklesschwert schwebt aber auch der Doping-Skandal über dem Plateau. Ein Video, das Ex-ÖSV-Langläufer Max Hauke mit der Ampulle im Arm beim Dopen zeigt, ging viral.

Nach den Vorfällen in Seefeld hatte ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel zunächst den Ausschluss des Langlauf-Spitzensports aus dem Verband angekündigt. Es waren Monate der Ungewissheit, erinnert sich Teresa Stadlober zurück: „Wir wussten bis Juli 2019 nicht, ob es weitergeht. Der Langlauf ist kaputtgemacht worden, wir waren am Boden.“

Weil damit aber auch der Nachschub für Kombinierer und Biathleten fehlen würde, ließ der ÖSV die Sparte nicht fallen – es kam zu neuen Strukturen mit Fördergruppen. Teresa Stadlober wurde in einen vom ÖSV finanzierten Verein ausgelagert und erfährt „bestmögliche Betreuung“, wie Alois Stadlober als Vater und ehrenamtlicher Vereinsobmann bestätigt.

Christian Schwarz (Gesamtleiter Langlauf im ÖSV).
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Dennoch habe man durch die Seefeld-Wirren „viele saubere Sportler verloren“, erzählt Teresa Stadlober. „Wir haben sehr wenig Nachwuchs, ich bin mit 28 Jahren die Älteste, das dürfte nicht sein.“ Die Suche nach Talenten ist nicht einfacher geworden, stellt Christian Schwarz fest. Der Gesamtleiter Langlauf im ÖSV will dennoch optimistisch nach vorne schauen und für den Nachwuchs Perspektiven schaffen. Die Infrastruktur (Seefeld, Ramsau, nordisches Ausbildungszentrum Eisenerz) sei besser als in vielen anderen Ländern. Weniger Athleten bedeute auch, dass die Betreuungsqualität durch die Trainer besser sei.

Ziel sei, junge Menschen für den Langlaufsport zu begeistern und so in der Breite zu wachsen. 800 Teilnehmer nehmen derzeit am Ski Austria Virtual Langlauf Cup 2021 teil und sammelten dabei 174.000 Kilometer.

Mika Vermeulen zählt zu den Hoffnungsträgern. Der 21-jährige Ramsauer mit holländischen Wurzeln zeigte in diesem Winter beim Weltcup in Davos mit Platz 25 auf und freute sich kürzlich bei der U23-WM im finnischen Vuokatti über Platz zehn. „In fünf Jahren sollte ein Top-Ten-Platz im Weltcup möglich sein“, hofft Schwarz.

Bei der WM in Oberstdorf stellen die Langläufer (drei Damen, vier Herren) ein Viertel des ÖSV-Aufgebots und wollen das in sie investierte Vertrauen zurückzahlen. „Der Rückhalt und die Unterstützung in dieser Form sind und waren sicherlich nicht selbstverständlich“, bedankten sich Gesamtleiter Schwarz und Cheftrainer Michael Bonert in einer Aussendung.

Die Erwartungen an die erste WM nach dem Neustart sind gedämpft. „Teresa Stadl-ober hat in den letzten Jahren mehrmals bewiesen, dass sie zur absoluten Weltklasse gehört. Ihr ist bei jedem ihrer Bewerbe eine Top-Platzierung zuzutrauen“, sagt Coach Bonert. Den ersten Einsatz hat die Langdistanz-Spezialistin im Skiathlon (Samstag).

Im Sprint sind heute (9 Uhr Quali, 11.30 Uhr Finale/live ORF eins) gleich fünf ÖSV-Athleten dabei: Lisa Unterweger bei den Damen und das Herren-Quartett Michael Föttinger, Lukas Mrkonjic, Mika Vermeulen sowie der Tiroler Benjamin Moser.


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