Jugendzentrum in Kitzbühel: „Die Jugendlichen wurden vergessen“

Die Pandemie betrifft alle Lebensbereiche, so auch Jugendliche und junge Erwachsene. In Kitzbühel versucht man, für sie ein Angebot aufrechtzuerhalten – mit Einzelgesprächen und digitalen Lösungen.

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Cornelia Huber (l.), Margit Luxner und Fred Treffer hoffen, die Jugendlichen bald wieder im JUZ begrüßen zu dürfen.
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Von Harald Angerer

Kitzbühel – Sie sind in der Pandemie aus dem Blickfeld gerückt, sind aber genauso betroffen wie alle anderen Bevölkerungsgruppen. Für Jugendliche und junge Menschen sind es besonders herausfordernde Zeiten. „Ein grundsätzliches Problem bei alldem ist, dass man von Beginn der Pandemie an auf die jungen Erwachsenen vergessen hat. Ihre Bedürfnisse wurden nicht gesehen, weil freilich die Gesundheit der Älteren und der Risikogruppen im Vordergrund stand. Das ‚Sich-nicht-treffen-Können‘ mit Freunden, die Ängste und Sorgen müssen gehört und ernst genommen werden – sei es in der Berufswelt, der Ausbildung oder das Sozialleben betreffend“, sagt Kitzbühels Jugendreferentin Margit Luxner.

Wie vieles andere ist auch das Jugendzentrum in Kitzbühel von den derzeitigen Schließungen betroffen. „Jedoch gibt es diesmal eine Ausnahmeregelung. Beratungen und Informationsgespräche dürfen im Einzelsetting, mit den geltenden Maßnahmen, stattfinden“, schildert Luxner. Auch nutzt man neue Kanäle, wie soziale Netzwerke und verschiedenste Nachrichtendienste, um mit den Jugendlichen in Kontakt zu bleiben.

Das Angebot wird gut angenommen, wie Cornelia Huber, die Leiterin des Jugendzentrums in Kitzbühel, bestätigt. „Die Einzelgespräche werden sehr gut angenommen und sind für die Jugendlichen auch sehr wichtig“, betont Huber. Die Anliegen der Jugendlichen sind dabei vielfältig und reichen von „Mir fällt zu Hause die Decke auf den Kopf“ bis hin zu Existenzängsten. Ein großes Thema ist das Home-Schooling, welches für viele eine große Herausforderung ist. „Oder Jugendliche, die zum Beispiel gerade eine Lehre in der Gastro begonnen haben und plötzlich nichts mehr zu tun haben, das ist schwierig“, schildert Huber einen weiteren wichtigen Themenbereich.

„Die Jugendlichen sind in einem Trott gefangen. Es gibt keinen Unterschied mehr zwischen unter der Woche und dem Wochenende“, ergänzt Huber weiter. Vor allem für die jungen Menschen seien die sozialen Kontakte besonders wichtig. Sie seien gerade dabei, das Leben zu entdecken und nun können sie nichts mehr machen, kein Ausgehen, keine Partys usw.

Eine gute Möglichkeit bietet sich allerdings durch digitale Angebote, wie die Jugendbetreuerin schildert. Es gibt verschiedenen Video-Plattformen oder Chats und über Instagram werden die Jugendlichen vom JUZ weiter informiert. „Das kann aber das echte Leben nicht ersetzen“, betont Huber.

Auf viele Fragen der Jugendlichen hat sie eine Antwort, auf die meistgestellte allerdings nicht. „Am öftesten gefragt werde ich, wann das Jugendzentrum wieder aufsperrt, und ich weiß es leider nicht. Wir sind immer die Letzten, die das erfahren“, sagt Huber. Das JUZ in Kitzbühel war vor der Pandemie wieder sehr gut besucht, im Schnitt waren es 30 bis 40 Jugendliche, die sich dort täglich getroffen haben.


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