Neustift stellt Weichen für neue Seilbahn in die Schlick

Der Gemeinderat erteilt der Grundinanspruchnahme für den Bahnbau die Zustimmung. Das Investitionspaket für den Elfer stößt auf Begeisterung.

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Im Bereich der Kaserstattalm soll die Mittelstation der neuen Bahn in die Schlick errichtet werden, am linken Bild der Blick von der Mittelstation Richtun­g Burgstall. Am gegenüberliegenden Elfer ist unter anderem eine neue Zwischenstation geplant (Bild rechts).
© Schlick, Hochstubai Liftanlagen

Von Denise Daum

Neustift i. St. – Nach einer Ehrenrunde hat es nun funktioniert. Während im Jun­i 2018 das Seilbahnprojekt vom Neustifter Ortsteil Neder in das Ski- und Wandergebiet Schlick 2000 vom Gemeinderat knapp kein­e Mehrheit erhielt, ging es am Donnerstag mit neun zu sieben Stimmen bei einer Enthaltung durch. Auf einhellige Zustimmung stieß der Bau einer Mittelstation im Rahmen eines 16 Mio. Eur­o schweren Investitionspakets am Elfer.

Wobei der Gemeinderat nur indirekt über die Projekte, die der Tourismusverband als „Verbindung der beiden Hausberg­e Elfer und Schlick“ sieht, abgestimmt hat. Konkret ging es um die Nutzung von Grund der Gemeindeguts­agrargemeinschaft, einmal für die Überspannung von rund 500 Meter Grund (Bahn in die Schlick) und einmal für die Inanspruchnahme von Grund für den Bau der Mittelstation (Elfer).

Die Projektwerber rund um das neue Vorstandsteam im TVB Stubai wollten nach der Abfuhr für die Seilbahn von Neustift auf das Sennjoch in der Schlick im Jahr 2018 alles richtig machen. Sie haben Gespräche mit den Gemeinderäten geführt, mit den Gegnern den Dialog gesucht, das Projekt überarbeitet und den Elfer „mitgenommen“. So plant der TVB gemeinsam mit den Elferbahnen, 16 Mio. Euro in das Gebiet zu investieren, u. a. in eine Zwischenstation, eine Verlängerung der Seil- und Rodelbahn und den Ausbau der Beschneiung.

Beim Bahnprojekt in die Schlick von der Goldsutten GmbH (Schlick 2000, Wintersport Tirol AG und TVB) wurden Adaptierungen im Bereich des Skiwegs auf die Mittelstation bei der Kaserstattalm vorgenommen. Durch einen 170 Meter langen Tunnel soll laut Schlick-Chef Martin Pittl der Eingriff in die Natur minimiert werden. „Insgesamt entstehen 2,5 Pistenkilometer, das ist ein Zuwachs von 11 Prozent für die Schlick“, erklärt Pittl. Neu ist auch, dass die Durchführung eines Architektenwettbewerbs für die Talstation in Neustift zugesichert wird. Die Kosten für die Verbindungsbahn mussten von den Verantwortlichen aufgrund der Verzögerung und der Adaptierungen nach oben korrigiert werden: von ursprünglich 19 Mio. auf rund 24,5 Mio. Euro.

Die Touristiker haben mehrfach klargestellt, dass sie die Vorhaben als ein Gesamtprojekt sehen. Die Verbindung der beiden Haus­berge soll mittels E-Bussystem zwischen den beiden Talstationen erfolgen.

Für die Projektgegner hat sich nichts geändert. Das zeigte die im Rahmen der Gemeinderatssitzung abgehaltene Podiumsdiskussion zwischen TVB-Aufsichtsrat Christoph Gleirscher und Bergführer Robert Span, der den Kritikern eine Stimm­e gab. Eine Gruppe, zu der nicht nur der Alpenverein gehört, sondern die quer durch die Bevölkerung „enormen Zuspruch“ erfahre, wie Span betonte. Die Punkte der Gegner bleiben dieselben: Sie sehen einen „Naturfrevel“, der viel koste und keinen Nutzen bringe. Der neue Tunnel ist für Span „noch brutaler“ als die ursprüngliche Variante.

Für TVB-AR Gleirscher ist das Projekt „eine coole Geschichte“ mit „großer touristischer Strahlkraft“. Es sei die letzte Chance, in Neustift etwas zu bewegen.

Auch wenn mehrfach die Rede davon war, dass das Projekt das Dorf spalte, verlief die Diskussion im Gemeinde­rat unaufgeregt und sachlich. GR Daniel Illmer, der nach seiner Enthaltung 2018 nun seine Zustimmung gab, erklärt dies so: „Es steht mir nicht zu, das Projekt schon im Keim zu ersticken und den Gang ins Behördenverfahren zu verhindern.“ Dafür stimmte außerdem die Liste von Bürgermeister Peter Schönherr sowie Substanzverwalter Martin Pfurtscheller.

Die Grünen übten am Donnerstag erneut scharfe Kritik an dem Projekt: „Null Prozent Innovation, 100 Prozent altbackenes Konzept“, sagt Klubobmann Gebi Mair. Er geht davon aus, dass sich der Widerstand jetzt so richtig formieren werde. „Die StubaierInnen werden gegen das Retro-Projekt aufstehen.“


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