„Nie alleine, immer am Seil“: Bergrettung mahnt Wintersportler zur Vorsicht

Die Bergrettung appelliert angesichts der Verhältnisse im Gebirge an die Vernunft der Wintersportler. Planung, Ausrüstung und richtiges Verhalten sind lebensrettende Faktoren.

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Ein dünner Schneedeckel machte es am Donnerstag unmöglich, die tiefe Gletscherspalte von außen zu erkennen.
© Bergrettung Matrei i. O.

Von Nikolaus Paumgartten

Matrei i. O. – Die Lage im Hochgebirge ist gefährlich – und dieser Tage ganz besonders. Lebensgefährlich. Das hat nicht zuletzt jenes tragische Unglück gezeigt, das sich am Donnerstag auf dem Großvenediger abgespielt hat. Wie berichtet, war dort ein 29-jähriger Tourengeher bei der Abfahrt auf etwa 3250 Metern Seehöhe rund 35 Meter tief in eine Gletscherspalte gestürzt. Nach der aufwändigen Bergung konnte die Notärztin allerdings nur noch den Tod des Mannes feststellen.

Laut Polizei war der 29-Jährige gemeinsam mit seinen Bergkameraden (51, 47) etwa in jener Spur abgefahren, in der sie aufgestiegen waren. „Aber nur weil die Schneedecke beim Aufstieg gehalten hat, heißt das nicht, dass sie auch bei der Abfahrt stabil ist“, warnt Bergrettungs-Landesleiter Hermann Spiegl vor einem tödlichen Trugschluss. Immerhin wirken beim Abfahren – vor allem beim Fahren von Kurven – deutlich stärkere Kräfte auf den Untergrund als beim Aufstieg mit Ski. Dazu komme, dass im Tagesverlauf aufgrund der milden Temperaturen die so genannten Schneebrücken über den Spalten immer dünner werden.

„Von außen ist nicht zu erkennen, wie dick eine Schicht über einer Spalte ist“, betont auch der Osttiroler Bezirksleiter der Bergrettung, Peter Ladstätter. Normalerweise besteht die Gefahr von Spaltenstürzen besonders dort, wo es nicht viel geschneit hat – in Osttirol kann man sich heuer aber nicht über zu wenig Schnee beklagen. Dass die Lage trotzdem kritisch ist, ist laut Ladstätter auf die Windverfrachtungen zurückzuführen. Dabei werden die Spalten von einer dünnen Schneeschicht zugeweht und lassen diese bis zur völligen Unkenntlichkeit verschwinden. Belastbar sind die dabei entstehenden Schneebrücken allerdings nicht.

„Ich rate nicht ab, ich rate zur Vorsicht“

Ausdrücklich abraten von Touren am Wochenende will Peter Ladstätter trotz der milden Temperaturen und der Prognosen des Lawinenwarndienstes nicht: „Ich rate nicht ab, ich rate zur Vorsicht.“ Wer sich dazu entscheidet, auf die Berge zu gehen, müsse eben unbedingt einige wichtige Grundregeln einhalten. „Nie alleine gehen, immer am Seil gehen – beim Aufstieg und bei der Abfahrt“, appelliert Ladstätter. Außerdem sei die Tour so zu planen, dass man die örtlichen Bedingungen kennt und rechtzeitig wieder im Tal ist. „Früh genug starten. Zu Mittag sollte man schon wieder zu Hause sein. Denn da ist es derzeit im Gebirge am gefährlichsten“, mahnt der Osttiroler Bergrettungs-Bezirksleiter. Außerdem sollte man darauf achten, dass man mit der richtigen Ausrüstung unterwegs ist.

Dass das Seil nicht nur beim Aufstieg, sondern gerade auch bei den Abfahrten obligatorisch sein sollte, unterstreicht auch Landesleiter Hermann Spiegl: „Viele verzichten darauf, weil es unattraktiv ist. Aber es ist eben auch enorm wichtig für die Sicherheit.“


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