Rodlauer holte mit WM-Gold-Team seinen wohl größten Erfolg

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Hinter vier erfolgreichen Frauen steht ein erfolgreicher Mann. So ist es zumindest bei den österreichischen Skispringerinnen Daniela Iraschko-Stolz, Sophie Sorschag, Chiara Hölzl und Marita Kramer, deren Trainer Harald Rodlauer einen wesentlichen Anteil am Erfolg hat. Es ist seine zweite Amtszeit als Chefcoach in diesem Bereich. In der ersten Phase übernahm Rodlauer das Team um Weltmeisterin Iraschko, vor der Saison mit den Heim-Weltmeisterschaften 2019 kam es zum Dacapo.

Dazwischen fungierte der Steirer als Co-Trainer des damaligen Männer-Chefcoachs Heinz Kuttin und war als solcher u.a. an den beiden WM-Goldmedaillen von Stefan Kraft 2017 in Lahti beteiligt. Seither hatte es keinen ÖSV-Titel bei den Nordischen gegeben, nun ist Rodlauer für den nächsten sogar hauptverantwortlich. Dabei folgte der Triumph einer auch für einen Coach schwierigen Situation, nachdem Kramer im Normalschanzen-Einzel durch Jury-Entscheid wohl die Medaille genommen worden war.

Rodlauer dachte in der Stunde des Triumphes an das gesamte Umfeld: „Ich bin so stolz auf mein ganzes Team, auf mein Betreuer-Team, auf die Athletinnen. Gemeinsam haben wir das geschafft“, sagte er nach dem Gold-Coup. „Nachdem wirklich die Köpfe sehr tief waren bei vielen, ist das eine wunderschöne Sache.“ Er empfinde es nicht als Genugtuung für den Einzel-Vorfall. „Denn was war, war bei mir bald vom Kopf draußen. Diese Dinge trage ich einfach nicht mit, weil sonst blockierst du dich.“

So habe er das auch den Athletinnen vermittelt. Und die nehmen vieles an, was er ihnen vorgebe oder vorlebe. Die Konzentration auf die kommende Aufgabe sei immer das Wichtige. Beim Frühstück am Morgen nach dem Einzel seien auch alle wie ausgewechselt gewesen. Die Geschehnisse vom Vortag seien überhaupt kein Thema mehr gewesen, sagte Rodlauer. Derart fokussiert hat das ÖSV-Quartett dann auch den Wettkampf bestritten und letztlich mit 1,4 Punkten Vorsprung auf Slowenien gewonnen.

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Psychologische Ausbildung zur Bewältigung solcher Situationen habe er keine, sagte der 54-Jährige von der APA danach befragt. „Ich habe Volksschule, Hauptschule und Berufsschule und bei der Polizei bin ich schon seit 35 Jahren. Mehr habe ich nicht“, meinte er schmunzelnd. „Meine Art ist es, je schwieriger es wird, desto ruhiger werde ich. Das bestätigen mir meine Co-Trainer auch immer. Das ist vielleicht eine positive Eigenschaft vom Charakter her.“

Es bringe nichts, vorne zu stehen und Hektik auszustrahlen, sich hängen zu lassen. „Ich bin froh, dass ich so bin und dass ich für mein Team in schwierigen Situationen da bin.“ Es sei ein Super-Feeling entstanden, ein absoluter Teamgeist, der jetzt bei der WM noch einiges bringen könne. „Aber es fängt wieder von vorne an. Wir werden uns vorbereiten und wieder, was wichtig ist, am Boden bleiben. Wir werden wissen, wo die Beine hingehören, damit man geerdet ist. Weil das ist auch ein wichtiger Punkt.“

Diese Team-Medaille sei für ihn speziell, das sie die ganze Arbeit vom Team widerspiegele. „Das freut mich, aber ich habe mich über jede Medaille gefreut. Jede Medaille hat für mich eine Bedeutung. Das ist eine Erinnerung, weil du immer in dieser Situation den Sportler hast, und das wechselt natürlich. Und so gesehen ist das schon eine besondere Medaille.“


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