„Changes“ von Stefan Abermann: Glücklose Glücksritter auf Abwegen

Der Innsbrucker Autor Stefan Abermann untersucht in seiner neuen Erzählsammlung „Changes“ die unheimliche Schwerkraft des Daseins.

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2020 wurde Stefan Abermann der Literaturpreis der Universität Innsbruck zugesprochen. Sein neuer Erzählband ist dieser Tage erschienen.
© Maybach

Innsbruck – Für eine Auswahl seiner Kurzgeschichten bekam Stefan Abermann (zusammen mit der Debütantin Katharina Schaller) den Literaturpreis der Universität Innsbruck zugesprochen. Dieser sieht auch die Publikation der ausgezeichneten Texte vor. Nun ist „Changes“ erschienen. Am Donnerstag wird der Erzählband im Literaturhaus am Inn präsentiert – Lesung und Gespräch werden pandemiebeding online übertragen.

„Changes“ umfasst neun Kurzgeschichten. Eigentlich hätte der Band treudeutsch mit „Die Verwandlungen“ überschrieben werden sollen. Aber das wäre des Kafkaesken zu viel gewesen. Und ein etwas altkluges „Metamorphosen“ verbot sich aus Respekt vor Ovid. Verwandschaftsverhältnisse zu den großen Formwandlern der Literaturgeschichte lassen sich aber ausmachen. Auch Abermanns Verwandlungstexte verstehen sich aufs Groteske und bleiben – trotz oder eher wegen ihrer klaren, schnörkelfreien Sprache – rätselhaft. Ein Ehepaar, Josef und Josefine, bringt sich für den anstehenden „Durchbruch“ in Stimmung – und schwingt schließlich selbst den Vorschlaghammer; ein Lampenfabrikerbe flüchtet sich mit berauschendem Pulver in die Paranoia; ein Murmelspiel endet blutig; und ein Vater löst sich schuldbewusst schäumend im Regen auf.

Abermann gibt seinen zumeist ziemlich glücklosen Glücksrittern Interpretationsschlüssel mit auf den Weg, verzichtet aber auf platt ausformuliertes Psychologisieren. Er spielt mit Formen und Perspektiven: In „Nugget“ ist es ein Kind, das sich die Welt als Abenteuer zusammenreimt, „Herrn Johanns wundersame Beziehung zum Nebel“ weist der Untertitel als „vergessliches Märchen“ aus. In Summe bietet „Changes“ federleicht formulierte Erforschungen der Daseinsschwerkraft: reizvoll und im besten Sinne unheimlich. (jole)

Erzählungen Stefan Abermann: Changes. Edition Laurin, 175 Seiten, 19,90 Euro. Präsentation. Donnerstag, 4. März, 19 Uhr, auf www.literaturhaus-am-inn.at, Moderation: Maria Piok.


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