Von Wölfen und Sündenböcken: WWF präsentierte Bilanz des Jahres 2020

Zehn Wölfe wurden 2020 in Tirol nachgewiesen. Sie haben 257 Nutztiere gerissen. Der WWF fordert ein besseres Monitoring und eine bundesweite Herdenschutz-Offensive.

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Der WWF geht davon aus, dass die Wolfspopulation in den kommenden Jahren noch größer wird.
© WWF/Ralph Frank

Von Marco Witting

Innsbruck – Der Wolf. „Ein Sündenbock.“ So empfindet es Christian Pichler vom WWF, wenn es darum geht, dass der Beutegreifer oft für viele Probleme in der Landwirtschaft herhalten muss. Von generellen Schwierigkeiten der Almbauern bis zur Entfremdung der städtischen Bevölkerung. Die Diskussion um die Rückkehr der Wölfe ist weder neu noch hat sie sich in den vergangenen Jahren groß verändert. Sie verläuft weiterhin irgendwo zwischen Ansiedlung und Abschuss.

Der WWF präsentierte gestern seine Wolfs-Bilanz des Jahres 2020. Bundesweit zählte man 40 Wölfe – ein Rückgang. In Tirol wurden insgesamt zehn Tiere nachgewiesen und die waren für ein Gros der Nutztierrisse in ganz Österreich verantwortlich. Von 293 getöteten Nutztieren kamen 257 aus Tirol. Wobei der WWF erklärt, dass der Anteil der Risse (0,23 Prozent) sehr gering ausfalle. Tote Schafe durch Unwetter, Krankheiten oder Steinschlag gebe es bedeutend mehr.

Entspannung in der Problematik ist keine in Sicht. Im Gegenteil. Durch die zunehmende Verbreitung des Wolfes auch in den Nachbarländern wie der Schweiz, Slowenien und Italien rechnet der WWF damit, dass in den kommenden Jahren vermehrt Tiere nach Österreich einwandern werden.

Herdenschutz und besseres Monitoring gefordert

Um Konflikte zu vermeiden, fordern die Tierschützer von der Politik eine bundesweit abgestimmte Herdenschutz-Offensive und ein besseres Monitoring. Denn richtig genau wisse man nicht, wie viele Wölfe es im Land gibt. „Gibt es fachgerechten Herdenschutz, meiden Wölfe Weidetiere von Beginn an und konzentrieren sich auf ihre Rolle als eine Art Gesundheitspolizei des Waldes“, erklärte Pichler. Wölfe würden den Wildbestand und damit den Wald gesund halten, weil sie kranke und schwache Tiere erbeuten.

Tirol ist in Sachen Herdenschutz bundesweit am weitesten. Doch die Projekte sind beschränkt – momentan auf eines im Bezirk Landeck. Und die Skepsis bei den Bauern ist groß. „Die Landwirtschaftskammer hat sich in ihrer Meinung einzementiert“, sagt Pichler.

Neben verbessertem Herdenschutz sollten Nutztierhalter besser entschädigt und das Hirtenwesen wiederbelebt werden. Zudem müsse man die Zucht und Ausbildung von Herdenschutzhunden vorantreiben. Rechtlich sieht sich der WWF durch ein Urteil aus Salzburg bestätigt. Dort hob das Landesverwaltungsgericht einen Abschussbescheid auf. Der hohe Schutzstatus des Wolfes bleibt – und sei alternativlos.

Debatte um Behirtung bleibt

Dass Almbetriebe von der ÖPUL einen Behirtungszuschlag kassieren, aber viele die Förderkriterien nicht erfüllen – die TT berichtete – sorgte für Aufregung. Nicht zuletzt, weil gerade bei Schafen und Ziegen eine gute Behirtung mit Menschen eine wichtige Säule im Herdenschutzmanagement ist.

Vertreter der Österreichischen Almwirtschaft betonen nun in einer Aussendung, dass die 7200 Hirten auf den rund 8000 heimischen Almen etwa 300.000 Rinder, 110.000 Schafe, 12.000 Ziegen und 10.300 Pferde mit viel harter Arbeit gut durch den Almsommer bringen würden, damit diese im Herbst gesund im Tal ankommen. Man dürfe deshalb die Behirtung nicht pauschal in ein negatives Licht rücken. Gleichzeitig müsse das Ziel sein, dass auf jeder Alm die Anforderungen des ÖPUL – was die Behirtungsprämie betrifft – erfüllt sind. Dass es derzeit 7200 Hirten und gleichzeitig einen Mangel an qualifizierten Hirten gibt, hat damit zu tun, dass es auf großen Almen zwei oder mehr Personen brauche. Deshalb müsste es wesentlich mehr Hirten auf den Almen geben – mindestens 8000 – heißt es. Für Aufstockungen bräuchte es aber mehr Gelder, so die Almwirtschaft.


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