Razzia bei Hersteller: Händler lassen Masken von "Hygiene Austria" fallen

Der heimische Maskenhersteller Hygiene Austria hat eingestanden, teilweise in China produziert zu haben. Supermarktketten verbannen nun deren FFP2-Produkte.

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Hygiene Austria hat stets mit „Made in Austria“ geworben. Zumindest für einen Teil gilt das nicht, wie der Maskenhersteller einräumt.
© APA/ROBERT JAEGER

Wien – Nach der Razzia beim heimischen Schutzmaskenhersteller Hygiene Austria – ein Joint-Venture von Lenzing und Palmers – haben Supermarktketten, die FFP2-Masken des Unternehmens verkauft haben, die Notbremse gezogen. Spar, der Rewe-Kozern, Hofer und dm haben den Verkauf der Hygiene-Austria-Produkte gestoppt. „Man kann derzeit nicht garantieren, dass die Masken aus Österreich sind, und daher dieser Schritt“, hieß es etwa von Spar.

Die Vorwürfe gegen Hygiene Austria wiegen schwer: Laut Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft geht es um den Verdacht der organisierten Schwarzarbeit sowie des schweren gewerbsmäßigen Betrugs. Am Dienstagabend gab es Hausdurchsuchungen in Wien und Wiener Neudorf. Hygiene Austria soll Masken aus China billig gekauft, umetikettiert und teuer als österreichische Produkte vertrieben haben. Der Maskenhersteller hat die Vorwürfe der Schwarzarbeit sowie des Betrugs zurückgewiesen, dann aber doch eingestanden, dass man einen Teil der Masken in China lohnfertigen lassen habe, um den zwischenzeitlichen Nachfrageanstieg zu bewältigen. Nur: Ersichtlich war das bisher nirgendwo. Auf der Hygiene-Austria-Website wird stets mit „Made in Austria“ geworben. Zudem sind die Masken von Hygiene Austria bei einer „Vorprüfung“ Mitte 2020 in Österreich durchgefallen – sie entsprachen nicht dem EU-Reglement. Die FFP2-Masken wurden dann einfach in Ungarn zertifiziert. Hygiene Austria selbst sprach von einer Schweizer Zertifizierung.

📽️ Video | Hygiene Austria-Masken aus Sortiment entfernt

Die Sache ruft nun Konsumentenschützer auf den Plan. „Kurz gesagt, halte ich das schon für irreführend – unabhängig davon, ob die Qualität stimmt oder nicht“, sagt Thomas Hirmke vom Verein für Konsumenteninformation. „Wir prüfen, ob wir dagegen vorgehen.“ Ähnlich äußert sich Peter Kolba, Obmann des Verbraucherschutzvereins.

Lenzing, Mehrheitseigentümer von Hygiene Austria, reagiert ebenso – und setzt ein forensisches Team zur Klärung des Produktionsortes der Masken und einen zusätzlichen Geschäftsführer ein. Einer der Hygiene-Geschäftsführer ist Tino Wieser, Bruder von Co-Palmers-Vorstand Luca Wieser, der wiederum mit der Büroleiterin von Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) verheiratet ist. Deshalb richtet die SPÖ eine parlamentarische Anfrage an den Kanzler. (sas)


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