Klimawandel schreitet durch Menschenhand voran: Golfstrom droht zu kippen

Seit der Industrialisierung verliert der Golfstrom zunehmend an Kraft. Schuld daran ist vor allem das Eingreifen den Menschen in die Natur, verdeutlicht einmal mehr eine neue Studie. Dem maritimen Förderband geht wegen der Klimaerwärmung die Kraft aus.

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Die Eisschmelze in Grönland hat sich in den vergangenen Jahren beschleunigt. Sie trägt bei zur Abschwächung des Golfstroms.
© AFP

Hamburg – Der Golfstrom, der das Klima auf beiden Seiten des Nordatlantiks prägt, verliert an Kraft. Das hat mit Beginn der Industrialisierung eingesetzt und sich seitdem beschleunigt. Das legt nahe, dass die Veränderung wesentlich mit dem vom Menschen gemachten Klimawandel zu tun hat. Zu diesem Ergebnis kommt ein internationales Forscherteam unter Führung des Instituts für Klimafolgenforschung in Hamburg.

Das Team hatte bereits im Jahr 2015 berechnet, dass der Golfstrom in den vergangenen Jahrzehnten um etwa 15 Prozent nachgelassen hat. Für eine nun in Nature Geosciences veröffentlichte weitere Studie hat das Team die aktuellen Daten mit historischen Klimainformationen verknüpft – die etwa in Ozeansedimenten, Eisbohrkernen oder Jahresringen von Bäumen enthalten sind. Ergebnis: Der Golfstrom war in den vergangenen 1600 Jahren nie so schwach wie heute.

„Wenn wir die globale Erwärmung auch künftig vorantreiben, wird sich das Golfstrom-System weiter abschwächen – um 34 bis 45 Prozent bis 2100“, zitiert Geo den Studienleiter Stefan Rahmstorf. „Das könnte uns gefährlich nahe an den Kipppunkt bringen, an dem die Strömung instabil wird.“

Der Golfstrom ist Teil eines gigantischen maritimen Förderbands, das warmes Oberflächenwasser von der Karibik nach Nordwesteuropa transportiert – und salzarmes, kaltes Tiefenwasser zurück in den Süden. Für die Abschwächung dieses Förderbands machen Forscher u. a. verstärkte Niederschläge und die Eisschmelze im hohen Norden verantwortlich, die das Meer „versüßen“.

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Kommt der Golfstrom an einen Kipppunkt, dann kann das globale Klimasystem laut neueren Studien sogar innerhalb weniger Jahre umspringen, wie die New York Times berichtet. In Europa könnten dann wieder eiszeitliche Bedingungen herrschen. Ganz sicher ist das aber nicht, weil die Klimaerwärmung auch andere Faktoren verändert.

Schon jetzt allerdings hat die Abschwächung des Golfstroms laut Forschern zur Folge, dass in Europa häufiger Wetterextreme auftreten – von Winterstürmen bis zu sommerlichen Hitzeperioden. An der Ostküste der USA steigt der Meerespiegel, während zugleich das Hurrikan-Geschehen zunimmt. (floo)


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