Pandemie brachte Tausende Tiroler Chormitglieder zum Verstummen

Tirols mehr als 500 Laien-Chöre müssen auf Gesang in geselliger Runde seit Monaten verzichten. Proben können aufgrund der Corona-Beschränkungen nur via Videokonferenz stattfinden.

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Probenbetrieb in der Corona-Ausgabe. Der Chor CHORrekt aus dem Zillertal beim gemeinsamen Gesang.
© TSB

Von Markus Schramek

Innsbruck – Pausen ist man als Chorsänger ja gewöhnt, allerdings maximal ein paar Takte lang – so wie im Notenblatt vorgesehen. Die Corona-Pandemie ist da schon ein ganz anderer Taktgeber. Die seit einem Jahr uns alle plagende Seuche hat Tausende Tiroler Chormitglieder schmerzlich lange zum Verstummen gebracht. Proben, selbst mit Respektabstand und unter Wahrung größter Vorsicht, sind im Vereinslokal schon seit Oktober tabu.

Chorgesang fördert bekanntlich die Gemeinschaft, und in einer solchen fühlt sich das Virus besonders wohl. Beim herzhaften Intonieren laufen Sopranistinnen, Altistinnen, Tenöre und Bässe Gefahr, Corona voller Inbrunst an die Mitsänger weiterzureichen. Ganz unbegründet ist diese Annahme nicht: Bei den Profi-Sängern des Tiroler Landestheaters baute sich im vergangenen Herbst ein ausgewachsener Infektionscluster auf, allen Anti-Covid-Vorkehrungen zum Trotz.

Berufs-Chöre dürfen nach dem Buchstaben der geltenden Verordnung unverändert nicht vor Publikum auftreten, jedoch immerhin gemeinsam proben. Die mehr als 500 im Tiroler Sängerbund (TSB) organisierten Laien-Chöre können sich hingegen auch zu Übungszwecken nicht treffen. Und Auftritte? „Bis zu vier Solisten dürfen mit 2-Meter-Abstand und FFP2-Maske in der Kirche singen“, schildert TSB-Geschäftsführer Viktor Schellhorn die überschaubaren Möglichkeiten. Allzu oft kämen derartige Quartette im sakralen Rahmen jedoch nicht zum Einsatz.

Signale, dass Chorgesang auch im größeren Rahmen bald wieder möglich sein könnte, orten die wenigsten.

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Klaus Püspök vom Chor Volders blickt auf ein bewegtes Jahr 1 der Pandemie zurück. „Wir haben, als dies zwischenzeitlich wieder möglich war, fast überall geprobt, wo es viel Platz gab“, erzählt der langjährige Chor-Obmann. Und Püspök zählt auf: „Im Gemeindesaal, in der Schul-Aula, in der Kirche.“ Half aber alles nichts: Geplante Konzerte mussten abgesagt werden, letztes Jahr und auch heuer vorsichtshalber wieder.

„Es geht jetzt in erster Linie darum, unsere Gemeinschaft zusammen und bei Laune zu halten“, meint Püspök. Austritte seien vereinzelt vorgekommen, „weil sich manche Priorität durch Corona grundsätzlich verändert hat“.

Sobald es grünes Licht für Proben gibt, wird beim Chor Volders das Singen nicht im Vordergrund stehen. „Es gibt viel zu besprechen, wird werden ganz behutsam starten“, kündigt der Obmann an.

Online-Proben waren in Volders kein Thema. Mittels einschlägiger Videocalls à la Zoom lassen sich nicht nur geschäftliche Termine, sondern auch Gesangsabende abwickeln. An dieser ersatzweisen Chor-Technik scheiden sich allerdings die Geister. Jakob Seiwald, der mit erst 22 Jahren gleich drei Chöre in Innsbruck und Sistrans leitet, hat mit seinen Schützlingen Online-Proben zwar versucht, „davon aber bald wieder die Finger gelassen“. Er begründet dies so: „Im Internet kommt es akustisch zu einer zeitlichen Verzögerung, die Ergebnisse waren aus meiner Sicht einfach nicht zufriedenstellend.“

Auf positive Erfahrungen mit virtuellem Chorgesang verweist indessen Brigitte Luftensteiner mit dem Chor Cantiamo in Lans. 16 bis 18 Personen, ein Gutteil des gesamten Chors, proben seit November regelmäßig vor dem häuslichen Laptop. Chorleiterin Luftensteiner liefert Audio-Einspielungen und Übungstracks; jede(r) singt für sich selbst daheim in seiner Stimmlage. Live-Begleitung kommt vom Piano.

Luftensteiner will den Chortreff via Internet nicht missen. „Im Nachhang der Online-Proben wird auch Persönliches besprochen. Das ist gerade jetzt sehr wichtig.“ Corona lässt uns in vielerlei Hinsicht keine große Wahl.


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