20 Jahre Beratungsstelle Evita: Krise treibt Frauen in Notlage

Die Nachfrage bei der Frauenberatungsstelle Evita in Kufstein und Wörgl steigt seit dem zweiten Lockdown stark. Die Krise verschärft die Lage in mehreren Aspekten.

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„Viele Frauen sind überlastet. Sie können nicht abwarten, bis alles vorbei ist.“ – Elisabeth Lehmann
 (GF Evita)
© Evita

Kufstein, Wörgl – Dieses Jubiläum gibt nur wenig Grund zum Feiern: Seit 20 Jahren hilft die Frauen- und Mädchenberatungsstelle Evita in Kufstein und Wörgl Frauen in Not. 20.000-mal konnte das Beratungsteam in dieser Zeit helfen, immer mehr Frauen suchen Unterstützung. Die Pandemie hat diesen Trend verstärkt, erschwert dem Team von Evita aber gleichzeitig die Arbeit.

In zwei Jahrzehnten wurde das Angebot von Evita ständig erweitert. Neben dem Büro in Kufstein (Oberer Stadtplatz 6) gibt es nun auch in Wörgl eine Anlaufstelle (Josef-Steinbacher-Str. 23). Die Themen, mit denen die Klientinnen andocken, haben sich aber kaum verändert: Partnerschaft und Beziehung, Gewalt, Armut und Wohnen und die psychische Gesundheit stehen ganz oben auf der Liste.

Mehr als 260 Frauen wurden 2020 bei Evita betreut. Seit dem zweiten Lockdown steige die effektive Zahl der Beratungsgespräche, berichtet GF Elisabeth Lehmann. Die Anforderungen in der Familie – Stichwort Kinderbetreuung und Arbeit – überfordern viele, der finanzielle Druck steigt durch Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit. Diese trifft Frauen in der Corona-Krise bekanntermaßen um ein Vielfaches stärker als Männer. Gesundheitliche Probleme – allen voran der Psyche – machen sich bemerkbar, auch bei Kindern und Jugendlichen, berichtet das Team aus Therapeutinnen, Pädagoginnen und Rechtsexpertinnen.

Und dann wäre da noch das große Thema der Gewalt. In den Frauennotwohnungen in Kufstein und Wörgl verzeichnet Evita 2000 Nächtigungen pro Jahr. „Die sind kein Erfolg, sondern traurige Wahrheit: Mindestens zwei Frauen schlafen Nacht für Nacht in einer der zwei Frauenwohnungen“, bilanziert das Team.

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Lehmann rechnet mit einer hohen Dunkelziffer an Frauen, die aktuell mit häuslicher Gewalt konfrontiert sind. „Wir nehmen an, dass der Kampf um das wirtschaftliche Überleben, um Grundbedürfnisse wie Wohnen und Essen, oftmals häusliche Gewalt nicht zum Erstthema der Beratung werden lässt.“

Gerade bei diesem „schambesetzten“ Thema sei ein niederschwelliges Angebot zentral. Ausgangsbeschränkungen und Co. erschweren es den Betreuerinnen, eine Vertrauensbasis mit den Klientinnen zu schaffen. Viele Beratungen finden derzeit am Telefon bzw. über Video statt. Das funktioniert laut Lehmann in vielen Fällen „erstaunlich gut“. Doch es gebe genügend Frauen, denen dazu das nötige technische Wissen oder schlichtweg die Ausstattung fehlt.

Daher sei es auch in Pandemiezeiten zentral, einschlägige und niederschwellige Angebote zu forcieren, etwa Opferschutzgruppen in Krankenhäusern, und dass psychische Probleme abgeklärt und Frauen an spezialisierte Stellen weitervermittelt werden. Eine Möglichkeit für psychosoziale Beratung für „die Zeit dazwischen“ sei dringend notwendig, „denn Therapieplätze sind immer noch Mangelware“.

Infos: www.evita-frauenberatung.at, Telefon: 05372 63616, E-Mail: evita@kufnet.at (TT, jazz)


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