Beratungen für Frauen haben in St. Johann stark zugenommen

Die Kontakte im Büro in St. Johann und auch die Nächtigungen in den Notunterkünften sind im Jahresvergleich um 30 Prozent gestiegen.

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Frauen sind immer öfter von Gewalt bedroht. Die Beratungen für Frauen im Bezirk Kitzbühel haben stark zugenommen.
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Von Michael Mader

St. Johann i. T. – Renate Magerle, Obfrau des Mädchen-und Frauenberatungszen­trums in St. Johann, hat ihren Jahresbericht vorgelegt – und der schaut gar nicht gut aus: So ist die Anzahl der Beratungen in Zusammenhang mit Themen wie Existenzsicherung und Arbeit massiv angestiegen.

In Summe erfolgten im Vorjahr 1768 persönliche und telefonische Kontakte durch den Verein, aber auch Beratungen per E-Mail wurden durchgeführt. Im Jahr 2019 lag die Zahl noch bei 1369, was einer Steigerung von 30 Prozent entspricht. Seit der Vereinsgründung und dem Beginn der Beratungstätigkeit im Oktober 2010 haben sich die Kontakte sogar beinahe versechsfacht.

„Corona war für uns ex­trem spürbar. Während der Lockdowns ist die Nachfrage zurückgegangen. Viele konnten ja nicht einmal unbeobachtet telefonieren. Nach den Lockdowns sind die Kontakte dann immer wieder angestiegen“, weiß Magerle.

Die Vorschriften wie Desinfektion von Händen und Flächen, Abstandhalten und das Tragen von Masken wurden penibel befolgt. „Deshalb wurde in unseren Wohnungen, Wohngemeinschaften und im persönlichen Kontakt mit den Klientinnen kein einziger Infektionsfall bekannt“, sagt Magerle.

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Die meisten Beratungen holten sich übrigens Staatsbürger aus Österreich. Muslimische Frauen suchten die Beratungsstelle so gut wie gar nicht auf.

Magerle: „Die sind so in ihrem Familienverbund verankert, dass sie so gut wie gar keine Chance haben, aus diesem kulturellen Hintergrund herauszukommen. Es ist zwar unfassbar, aber diese Frauen werden dann selbst von den eigenen Eltern abgelehnt“, berichtet Magerle von den wenigen bekannt gewordenen Fällen.

Eine Steigerung gibt es aber auch bei den Übergangswohnungen bzw. Wohngemeinschaften, wo im Jahr 2020 insgesamt zwölf Frauen mit insgesamt neun Kindern mehr oder weniger lang untergebracht waren. So zählte das Mädchen- und Frauenberatungszentrum insgesamt 2490 Nächtigungen, was gegenüber 2019 ebenfalls einer Steigerung von fast 30 Prozent entspricht.

Die Angebote des Vereins reichen von Beratungen für Mädchen und Frauen bei sozialen, psychischen, rechtlichen und ökonomischen Problemen über Unterstützung beim beruflichen Ein- und Wiedereinstieg bis hin zu Betreuungs- und Präventionsarbeit zur Thematik Gewalt. Die Beratungen sind anonym, vertraulich und kostenlos.

Möglich sei dies nur durch die vielen ehrenamtlichen Helfer und die Spenden und Mitgliedsbeiträge der Mitglieder sowie die Unterstützung der Serviceclubs, des Vertreterstammtisches und der Gemeinden des Bezirks Kitzbühel.

Aber etwa auch vom Bund gibt es finanzielle Hilfe: 5000 Euro im Jahr. Etwa den zehnfachen Zuschuss würde das Mädchen- und Familienberatungszentrum St. Johann bekommen, wenn es der Bund als Frauenservicestelle anerkennen würde.

Wie berichtet, kämpft Magerle dafür schon seit Jahren. Bislang aber erfolglos. Es sei einfach zu wenig Geld vorhanden, hieß es Ende 2019 aus dem Kabinett der damals zuständigen Ministerin Ines Stilling. Magerle war verärgert, will den Kampf aber nicht aufgeben. Da sorgte auch ein Brief der nunmehrigen Ministerin Susanne Raab für keine bessere Stimmung bei der Obfrau. Diese bedankte sich anlässlich des internationalen Frauentags für die Arbeit und den Einsatz herzlich und sprach ihre Anerkennung aus. Finanzielle Hilfe statt Lob wäre Magerle wohl lieber gewesen.


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