Land Tirol hofft auf 5000 Studienteilnehmer im Bezirk Schwaz

Eine Studie über die Impfungen in Schwaz soll helfen, die Südafrika-Mutation des Virus besser zu begreifen.

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Geimpfte werden 15 Minuten lang beobachtet, ob Impfreaktionen auftreten. Die Zeit könne zur Studienteilnahme genützt werden.
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Innsbruck – Ein Großaufgebot an Politik und Wissenschaft hat gestern bei einer Pressekonferenz in Innsbruck erklärt, was die „REDUCE“-Studie, die die Durchimpfung des Bezirks Schwaz begleitet, bringen soll. Sechs Monate lang wird beobachtet werden, wie sich unter anderem die Infektionszahlen und auch das Auftreten der südafrikanischen Virusvariante verändern. Betont wurde dabei, dass die Teilnahme an der Studie freiwillig und nicht an die Impfung gekoppelt sei.

Die Impfwilligen sollen einen einseitigen Fragebogen ausfüllen, erklärte Studienleiter Peter Willeit. Die Auswertung der Fragebögen erfolgt anonymisiert. „Die Teilnahme ist mit keinerlei weiterem Aufwand für die Probanden verbunden, da im Falle einer Corona-Infektion die Daten ohnehin routinemäßig erfasst werden“, erklärte Willeit.

LH Günther Platter betonte gestern noch einmal, dass Tirol nach Vorarlberg österreichweit die beste Sieben-Tage-Inzidenz habe. Von den einst 193 aktiv Positiven, die mit der südafrikanischen Variante des Virus infiziert waren, sind laut Platter derzeit noch 47 Fälle bekannt. Die Studie lässt sich das Land 400.000 Euro kosten. Tirol sei Modellregion, die Studie europaweit einzigartig. Die Ergebnisse würden international genützt.

Der Rektor der Medizin-Universität, Wolfgang Fleischhacker, betonte, die Wissenschaft wolle ein positives Signal in der angespannten Corona-Debatte liefern.

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Neben den Fragen der Infektionszahlen und der Reduktion der Südafrika-Variante soll auch geklärt werden, ob der Impfstoff schwere Verlaufsformen samt Krankenhausaufenthalt bzw. Aufnahme auf eine Intensivstation verhindern kann. Auf die Frage, ob auch etwaige Impfreaktionen untersucht würden, meinte der aus Wien zugeschaltete Chef der Bundesagentur AGES, Franz Allerberger, dass der Impfstoff von BioNTech eine gute Verträglichkeit aufweise. Nach den vielfach gemeldeten Impfreaktionen bei AstraZeneca befragt, meinte ­Allerberger, die Impfreaktionen seien so, wie man es erwartet habe. Fieberschübe, vor allem bei jüngeren Geimpften, seien beispielsweise nichts ­Außergewöhnliches.

Uneinigkeit zwischen Bund und Wissenschaftern der Med-Uni Innsbruck herrscht darüber, ob Genesene sich impfen lassen sollen oder nicht. Der Innsbrucker Neuroimmunologe Florian Deisenhammer kam nach seiner Antikörper-Studie zum Schluss, dass sich Genesene nicht impfen lassen sollten, da eine natürliche, stabile Immunität bestehe. Sein Kollege, der Medizinische Mikrobiologe Reinhard Würzner, warnte vor Überreaktionen bei Genesenen und riet, sich vorerst nicht impfen zu lassen. Erst wenn die natürliche Immunität nachlasse, solle man sich impfen lassen. Ob eine oder zwei Impfungen entscheide die Höhe oder das Vorhandensein von ­Antikörpern.

Allerberger verwies auf die Empfehlungen des Bundes, wonach sich auch Genesene impfen lassen sollten. Die Impfung werde, ob mit oder ohne Antikörper, einmal im Jahr nötig sein. Rektor Fleischhacker gab dazu keine Wortmeldung ab, ebensowenig wie Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg. (aheu)


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