Lehrer gegen freiwillige mündliche Matura

Schülervertretung drängt darauf. AHS-Gewerkschafter plädiert aber für Entgegenkommen bei Reifeprüfung. Tirol nimmt Faßmann in die Pflicht.

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An den Oberstufen hat es in diesem Schuljahr nur an rund der Hälfte der Unterrichtstage normalen Präsenzbetrieb gegeben.
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Wien – An Oberstufen gab es in diesem Schuljahr nur an rund der Hälfte der Unterrichtstage normalen Präsenzbetrieb, die psychische Belastung durch den Corona-bedingten Fernunterricht ist laut Studien groß. Ob der speziellen Rahmenbedingungen wurden in Sachen Matura bereits Änderungen fixiert.

Wie beim ersten Corona-Maturajahrgang, im Vorjahr, ist auch diesmal die Präsentation der Vorwissenschaftlichen Arbeit freiwillig; die Abgabefrist wurde um zwei Wochen verlängert. Bei den schriftlichen Klausuren wird erneut die Arbeitszeit um eine Stunde verlängert. Und wie im Vorjahr wird die Jahresnote in die Maturanote – schriftlich und mündlich – einbezogen. Zudem können die Themenbereiche bei der mündlichen Matura um maximal ein Drittel gekürzt werden. Der Antritt ist – nach aktuellem Stand – ­verpflichtend.

Die mündliche Matura dürfe nur freiwillig sein, befindet Bundesschulsprecherin Alexandra Bosek von der VP-nahen Schülerunion. Schülern sollte möglich sein, sich auf die schriftliche Matura zu konzentrieren. „Ein Entgegenkommen halte ich für gut“, sagt AHS-Lehrergewerkschafter Herbert Weiß (FCG). Es sei auch schon einiges passiert. „Ich würde deshalb aber nicht die mündliche Matura streichen.“ Immerhin sei gerade bei dem Teil möglich, auf die speziellen Rahmenbedingungen einzugehen. Die Schulen können nicht nur die Themenbereiche kürzen. Nachdem diese den gesamten Oberstufenstoff umfassen, könnten die Lehrer zusätzlich bei der konkreten Frage berücksichtigen, welche Stoffbereiche Corona-bedingt nicht durchgenommen worden sind. Schon im März die mündliche Matura zur freiwilligen Leistung zu erklären, birgt aus Weiß’ Sicht die Gefahr, dass die Schüler sich nur noch auf jene Fächer konzentrieren, in denen sie eine Klausur haben.

Ein gangbarer Weg wäre für ihn, die Zahl der Fächer bei der mündlichen (derzeit zwei bzw. drei) und bei der schriftlichen Reifeprüfung (vier bzw. drei) zu reduzieren. Bei der schriftlichen in Mathematik könnte das Bewertungsschema so adaptiert werden, dass Lehrer Beispiele aus Bereichen, die nicht durchgenommen wurden, streichen können. Ein solches Modell hat Faßmann angedeutet – der Minister will heute sein Matura-Maßnahmenpaket präsentieren. Roland Gangl, Vorsitzender der BMHS-Lehrergewerkschaft, sieht die Forderung, die mündliche Matura zu streichen, ebenfalls skeptisch. Schülern wäre damit nicht möglich, Wissen, das sie sich angeeignet hätten, zu präsentieren.

Mit einem Allparteienantrag versuchte gestern der Tiroler Landtag zusätzlichen Druck auf Faßmann aufzubauen. Schnellstmöglich, so heißt es, müsse für die Abschlussklassen „ein verlässlicher Fahrplan bis zum Schulende vorgelegt und die Matura so gestaltet werden, dass sie fair und an die Umstände angepasst“ ist. (APA, TT, mami)


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