Kinderrechtsexpertin Grabner: „Jungen Menschen geht die Luft aus“

SOS-Kinderdorf fordert ein bezahltes Perspektivenjahr für junge Erwachsene.

Viele Jugendliche und junge Erwachsene leiden unter den Folgen der Pandemie. Die Angst vor der Zukunft ist ein bestimmendes Thema.
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Wien, Innsbruck – Eigentlich sollte die Zeit der Jugend eine des Aufbruchs sein. Eine Phase, in der junge Menschen neue Erfahrungen machen und Dinge ausprobieren können. Doch die Corona-Pandemie hat zur Folge, dass seit mittlerweile einem Jahr die dafür so wichtige Basis aus Sicherheit und Perspektive fehlt. Und nicht nur das. „Der Kontakt zu Gleichaltrigen ist das Grundnahrungsmittel der Jugendlichen“, betont Katrin Grabner, Kinderrechtsexpertin von SOS-Kinderdorf. Und weil es Jugendlichen im Vergleich zu Erwachsenen an Erfahrung fehlt, mit Krisen umzugehen, sind diese von den Auswirkungen der Pandemie mehr betroffen als Erwachsene.

„Jungen Menschen geht die Luft aus“, warnt Grabner und verweist auf Daten der Beratungs-Hotline „Rat auf Draht 147“. Tatsächlich ist dort die Anzahl der Beratungsgespräche zum Thema Angst um 61 Prozent im Vergleich zu Vor-Pandemie-Zeite­n gestiegen. Deutlich gehäuft haben sich auch die Probleme im Bezug auf Arbeitslosigkeit (+60 %), Schlafstörungen (+64 %), Essstörungen (+35 %), psychische Erkrankungen (+45 %) und Suizidgedanken (+15 %). Den größten Zuwachs verzeichnete das Problemfeld Schule mit einem Plus von 159 Prozent. „Der Druck auf die jungen Menschen ist enorm gestiegen“, betont auch Birgi­t Satke, Leiterin von „Rat auf Draht“. Geschlossene Schulen, ein Arbeitsmarkt im Krisenmodus und fehlende soziale Kontakte hätten der Jugend die Unbeschwertheit genommen.

Angesichts der Beträge, die in diverse Covid-Hilfsprogramme für die Wirtschaft fließen, fordert SOS-Kinderdorf ein eigenes Krisenbudget für Menschen zwischen 15 und 25 Jahren. Ein zentrales Projekt solle dabei ein bezahltes Perspektivenjahr für 18- bis 21-Jährige nach dem Vorbild von Dänemark und Irland sein. In diesem Orientierungsjahr soll es den jungen Erwachsenen ermöglicht werden, ohne Existenzängste ihren Weg zu finden, Dinge auszuprobieren und damit langfristig gute Berufs- und Studienentscheidungen zu treffen. Die monatliche Unterstützung in der Höhe von 800 bis 1000 Euro solle dabei aus dem Staatshaushalt kommen. Geld, das gut in die Zukunft investiert wäre, wie Katrin Grabner meint: „Denn eine optimistische Jugend könnten wir alle sehr gut gebrauchen“. (np)


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