Weniger Flüchtlinge in Tirol aufgegriffen

Polizeiführung warnt vor Zunahme der unberechtigten Einreisen nach der Covid-Krise.

  • Artikel
  • Diskussion
Wegen Covid waren die Grenzkontrollen im Vorjahr besonders intensiv.
© Thomas Boehm / TT

Von Thomas Hörmann

Innsbruck – Die aus polizeilicher Sicht gute Nachricht zuerst: Die Anzahl der Aufgriffe von illegal aufhältigen Personen ist im Vorjahr erneut zurückgegangen. Konkret nahmen die Tiroler Polizeibeamten 3288 Menschen fest, die keine Aufenthaltsberechtigung vorweisen konnten. Das entspricht einem Rückgang von 4,7 Prozent gegenüber 2019. Allerdings ist Tirol mit dieser Entwicklung eher die Ausnahme. Österreichweit verzeichnete die Exekutive in diesem Bereich einen Anstieg von zwölf Prozent auf 21.861 Aufgriffe. Dramatischer sei die Situation auf den Flüchtlingsrouten, warnt Landespolizeidirektor Edelbert Kohler: „Wir müssen uns für einen weiteren Ansturm rüsten.“ So sei die Anzahl der Menschen, die über das Mittelmeer Italien erreicht haben, von 11.487 im Jahr 2019 auf 34.163 gestiegen. Harald Baumgartner, Leiter der Tiroler Fremdenpolizei, rechnet für heuer mit einer weiteren Verdoppelung in Italien.

Dass sich die Verdreifachung der Flüchtlingsankünfte in Italien nicht auf Tirol (bzw. Österreich und Mitteleuropa) auswirkte, sei eine Folge der Grenzkontrollen und Covid-bedingten Reisebeschränkungen. „Dadurch ist der Großteil der Menschen wohl irgendwo auf den Routen hängen geblieben“, meint Kohler.

Zurück nach Tirol, wo im Vorjahr auch die Asylanträge um fast 28 Prozent zurückgegangen sind: 245 Menschen aus 37 Staaten suchten 2020 um ein Bleiberecht an. Von den illegal eingereisten Personen kamen 325 aus Nigeria, 320 aus Albanien und 296 aus Marokko, rund 75 Prozent waren Männer. Knapp zwei Drittel reisten auf der Straß­e ein, ein Drittel kam mit der Bahn. Die Tiroler Polizei konnte auch 28 Schlepper festnehmen.

Die Covid-Pandemie führt­e im vergangenen Jahr ab Mitt­e März zu umfangreichen Grenzkontrollen. Dabei überprüften die Tiroler Polizisten 940.000 Reisende. Dazu kamen fast 355.000 Gesundheitschecks.

TT-ePaper gratis lesen und ein E-Bike gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen. Der Gratiszeitraum endet nach 4 Wochen automatisch.

Auch die Bekämpfung von Sozialleistungsbetrug gehört zu den Aufgaben der Fremdenpolizei. Die dafür zuständige Sondereinheit hat im Vorjahr Betrugsfälle mit einem Gesamtschaden von 720.000 Euro aufgedeckt. Weiters zeigten die Beamten 335 Verdächtige bei der Staatsanwaltschaft an, dazu kamen 350 Anzeigen an die Bezirkshauptmannschaften.


Kommentieren


Schlagworte