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Analyse der Kriminalstatistik: Zum Opferschutz kann jeder etwas beitragen

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Benedikt Mair

Kommentar

Von Benedikt Mair

Das, was in der Tiroler Kriminalstatistik steht, beunruhigt. Was darin nicht erfasst ist, sondern nur daraus geschlossen werden kann, erschreckt umso mehr. Die Fälle häuslicher Gewalt sind, wie die Polizei gestern bekannt gab, dramatisch angestiegen – um 16,3 Prozent von 1152 im Jahr 2019 auf 1340 im Vorjahr. Bei solchen Delikten liegt die Dunkelziffer ohnehin immer hoch. Durch die Pandemie und deren Begleitumstände dürfte sie ungleich stark zugenommen haben.

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Den Bekannten, der fragen würde, woher der blaue Fleck am Arm kommt – schon lang nicht mehr getroffen. Eine Arbeitskollegin, die sich über unsicheres Verhalten, fehlendes Selbstvertrauen, mangelnde Entscheidungsfreudigkeit wundern würde – vor Monaten zuletzt gesehen. Opfer von Gewaltverbrechen in den eigenen vier Wänden, meist sind es Frauen, drohen zwischen Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen, nicht enden wollenden Lockdowns unterzugehen. Sie werden unsichtbar. Und statt ermutigt zu werden, sich von ihren Peinigern zu lösen, treiben sie immer weiter im Strudel aus Brutalität, Abhängigkeit, Unterdrückung.

Ob Gewaltschutzzentren oder Beratungsstellen: Es gibt in Tirol einige Einrichtungen, an die sich Betroffene wenden können. Selbst wenn die Kapazitäten gerade in Zeiten von Corona knapp sind, wird geholfen. Im Sommer des vergangenen Jahres wurde vom Land angesichts der sich abzeichnenden Entwicklung auch eine Internetplattform gestartet, auf der sich Mädchen und Frauen informieren können. Nur der Weg dorthin ist schwer, der Schritt, sich endlich anzuvertrauen, ein großer.

Hier ist die Gesellschaft in ihrer Gesamtheit gefordert. Ein jeder und eine jede Einzelne. Es gilt hinzuschauen – bei Freunden, Bekannten, Arbeitskollegen, Nachbarn. Gibt es Anzeichen von Missbrauch oder Gewalt, muss gehandelt, Verständnis und Hilfsbereitschaft signalisiert und einer der, durchaus vorhandenen, Auswege gezeigt werden.


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