Erneut Tote bei Protesten gegen Militärmachthaber in Myanmar

Bei neuen Protesten in Myanmar sind in der Nacht auf Samstag drei Menschen getötet worden. In mehreren Stadtvierteln von Yangon (Rangun) kam es zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und Anrainern, die gegen nächtliche Patrouillen und Festnahmen protestierten. Dabei wurden laut Anwohnern und Angehörigen drei Männer erschossen. Hunderte Menschen widersetzten sich zudem einer nächtlichen Ausgangssperre, um mit Mahnwachen an getötete Demonstranten zu erinnern.

Seit der Machtübernahme des Militärs gehen die Menschen in dem südostasiatischen Land zu Zehntausenden auf die Straße. Die Sicherheitskräfte gehen brutal gegen die Demonstranten vor und setzen dabei offenbar auch gezielt tödliche Gewalt ein. Seit dem Putsch am 1. Februar wurden nach UN-Angaben schon mehr als 70 Menschen getötet.

Neben den Einsätzen gegen Demonstranten häuften sich zuletzt auch Berichte über nächtliche Patrouillen und Festnahmen. Auf einem Video, das Freitagabend in Online-Netzwerken geteilt und von der Nachrichtenagentur AFP verifiziert wurde, waren Polizisten zu sehen, die in Yangons Stadtviertel Thaketa drei Menschen auf die Straße zerrten, schlugen und wegschleppten.

Protestierende Anrainer versammelten sich vor der Polizeiwache. Später waren in dem Viertel Schüsse zu hören, wie ein AFP-Reporter berichtete. „Sicherheitskräfte haben drei junge Männer festgenommen und als wir ihnen gefolgt sind, um sie zurückzuholen, sind sie gegen uns vorgegangen“, sagte ein Anrainer. Dabei seien zwei Menschen erschossen worden.

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Auch im Stadtteil Hlaing gingen Anrainer auf die Straße, um gegen Polizisten und Soldaten in ihrer Nachbarschaft zu protestieren. Sie warfen mit Brandsätzen, die Sicherheitskräfte setzten Knallgranaten ein. Vier Menschen seien verletzt worden. Auf verifizierten Videoaufnahmen waren Menschen zu sehen, die sich hinter Autos versteckten und dann einen Mann mit einer blutenden Schussverletzung am Kopf bargen. Ein 18-Jähriger starb noch in der Nacht.

Vor den Zusammenstößen hatten sich trotz der ab 20.00 Uhr (Ortszeit) geltenden Ausgangssperre im ganzen Land Hunderte Menschen zu Mahnwachen für getötete Demonstranten versammelt - von Hpakant im Norden bis Myeik im Süden Myanmars. In Yangon setzten sich Demonstranten auf eine Kreuzung, wo sie sangen und beteten.

Samstagfrüh nahmen in Yangon zudem zahlreiche Menschen an einer Trauerfeier für den am Donnerstag getöteten Chit Min Thu teil. Viele Teilnehmer hielten als Zeichen des Protests drei Finger in die Luft. „Die Revolution muss gewinnen“, sagte die Witwe des Getöteten unter Tränen.

Die Deutsche Botschaft in Myanmar forderte indes umgehenden Zugang zu dem festgenommenen polnischen Journalisten Robert Bociaga. Die Diplomaten riefen die Behörden am Samstag zu einer „fairen und menschlichen Behandlung“ des Reporters auf, wie es in einer auf Facebook veröffentlichten Mitteilung hieß.

Der Journalist, der in dem südostasiatischen Land auch für die Deutsche Presse-Agentur dpa tätig ist, war am Donnerstag nach übereinstimmenden Medienberichten in Taunggyi von Einsatzkräften festgenommen worden. Bei der Festnahme soll der 30-Jährige auch geschlagen und verletzt worden sein, wie ein Reporter von Khit Thit Media auf Facebook berichtete.


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