Mindestens fünf Tote bei Protesten in Myanmar am Sonntag

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In Myanmar sind bei Protesten gegen die Militärmachthaber am Sonntag mindestens fünf weitere Menschen getötet worden, nachdem am Samstag bereits mindestens 13 Menschen ums Leben gekommen waren. Der geschäftsführende Chef der abgesetzten Zivilregierung, Mahn Win Khaing Than, fordete unterdessen in einer auf Facebook veröffentlichten Rede die Bevölkerung auf, die Proteste fortzusetzen.

In Bago nordöstlich der Wirtschaftsmetropole Yangon sei ein Demonstrant am Sonntag erschossen worden, berichtete ein Augenzeuge der Deutschen Presse-Agentur. Drei Menschen kamen zudem Augenzeugen zufolge in einem Stadtteil im Westen Yangons ums Leben, ein weiterer in Hpakant im nördlichen Staat Kachin.

Von der Militärregierung war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten. In den Abendnachrichten des von der Armee kontrollierten Senders MRTV wurden die Demonstranten als „Kriminelle“ bezeichnet.

Alleine Tausende Demonstranten kamen einem Augenzeugen zufolge am Sonntag in der Gemeinde Hlaing Thar Yar im Westen Yangons zusammen. Dort sollen drei der bisher für Sonntag gemeldeten Opfer getötet worden sein. „Wir protestieren gegen das Militär und stellen uns diesem brutalen Durchgreifen“, sagte der Demonstrant Nay Ko Lin der dpa. „Die vielen Tausend Demonstranten in unseren Gemeinden heute zeigen, dass wir Ungerechtigkeit nicht akzeptieren und Gerechtigkeit wollen.“

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Der Chef der vom Militär abgesetzten Zivilregierung, Mahn Win Khaing Than, wandte sich am Samstag in einer auf Facebook veröffentlichten Rede an die Öffentlichkeit und sagte: „Dies ist der dunkelste Moment der Nation und der Moment, in dem die Morgendämmerung nahe ist.“ Er forderte die Menschen auf, den Widerstand gegen die Militärregierung fortzusetzen: „Wir werden diesen Aufstand gewinnen.“ Than kündigte an, die Zivilregierung werde versuchen, die erforderlichen Gesetze zu erlassen, damit das Volk das Recht erhält, sich zu gegen das militärische Vorgehen zu verteidigen.

Than gehört der Nationalen Liga für Demokratie (NLD), der Partei der abgesetzten De-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi, an. Nach dem Putsch am 1. Februar schloss er sich mit anderen im November gewählten Abgeordneten zusammen, um sich der Militärregierung entgegenzustellen. Die Gruppe nennt sich Committee Representing Pyidaungsu Hluttaw (CRPH) und soll das legitime Parlament Myanmars repräsentieren. Die Militärregierung warf den Abgeordneten „Hochverrat“ vor, was mit bis zu 22 Jahren Gefängnis bestraft werden kann. Mahn Win Khaing Than befindet sich wie die meisten hochrangigen Vertreter der NLD auf der Flucht. Die gestürzte De-Facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi dagegen ist im Polizeigewahrsam.

Seit das Militär Anfang Februar die Macht an sich gerissen und die zivile Regierung abgesetzt hat, kommt es praktisch täglich zu Massendemonstrationen. Dabei werden die Freilassung und die Wiedereinsetzung von Aung San Suu Kyi ins Amt gefordert. Nach Angaben der Menschenrechtsgruppe Assistance Association for Political Prisoners wurden bei den Protesten bisher mehr als 80 Menschen getötet und über 2.100 festgenommen.


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