Lebenstraum und knallharter Job: Tirols Hütten brauchen neue Wirte

Der Alpenverein sucht neue Pächter. Viele sind aufgrund der Pandemie verunsichert.

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Die Bettelwurfhütte ist eine der 231 Alpenvereinshütten in Österreich. Die Pächterin Christine Art hat sich hier ihren Kindheitstraum erfüllt.
© Irene Rapp

Innsbruck – Zuhause ist dort, wo die Berge sind. Zumindest für Hüttenwirte entspricht dieses Sprichwort der Realität. Das Leben auf einer Hütte ist alles andere als einfach, doch für viele die Erfüllung eines Lebenstraumes.

„Viele Leute romantisieren das Hüttenwirtsleben – dabei ist das ein knallharter Job“, sagt Peter Kapelari, Leiter der Abteilung Hütten, Wege und Kartographie des Österreichischen Alpenvereins. Neben der richtigen Motivation brauche es verschiedenste Qualifikationen, wie beispielsweise den Trinkwasserwart, eine Kleinkläranlagenbetreiber-Prüfung oder die Ausbildung zum Brandschutzbeauftragten. Findet man spezielle Techniken, wie eine Materialseilbahn, müssen auch diese beherrscht werden. „Insgesamt stellt eine Hütte immer eine Inselsituation dar“, erklärt Kapelari. „Von der Versorgung mit Strom bis zur Entsorgung der Abfälle und alles dazwischen ist alles Aufgabe der Wirte“, sagt er.

Die 231 Schutzhütten des Alpenvereins in Österreich zählen zu diesen Inseln im Gebirge. Ob als Zwischenstation bei Mehrtagestouren, Stärkungsstation auf halbem Weg zum Gipfel oder Zufluchtsort bei nahendem Gewitter – die Funktionen sind vielfältig und für Wanderer und Bergsteiger oft essenziell.

Viele Leute romantisieren das Hüttenwirtsleben – dabei ist das ein knallharter Job.
Peter Kapelari (Österreichischer Alpenverein)

Doch auch an den idyllischen Tiroler Almen zieht die Pandemie nicht spurlos vorbei. Während die Unsicherheiten und unternehmerischen Ängste in der Bevölkerung wachsen, sinkt die Lust, etwas komplett Neues zu wagen. So auch die Möglichkeit, als Quereinsteiger eine Alpenvereinshütte zu übernehmen. Dabei gilt: ohne Hüttenwirt keine Hütte. „Mit der aktuellen Situation wird es bestimmt nicht leichter, geeignete Pächter und Pächterinnen für unsere Schutzhäuser zu finden“, prognostiziert Peter Kapelari. Für viele sei es zwar ein sehr anstrengender, aber auch erfüllender Beruf, für eine Hütte und die Gäste zu sorgen. „Wer den Herausforderungen gewachsen ist, für den ist die Hüttenpacht oft die Erfüllung eines Lebenstraumes, aus einem Beruf wird da schnell eine Berufung“, sagt Kapelari.

Christine Art ist einer dieser Menschen. Seit 2018 ist sie gemeinsam mit Ralf Kress Pächterin der Bettelwurfhütte im Halltal. „Die abwechslungsreiche Arbeit mit den Gästen in der freien Natur ist für mich etwas ganz Besonderes“, betont Art. Bereits als Kind sei es ihr großer Wunsch gewesen, eines Tages selbst Pächterin einer Alpenvereinshütte zu sein. Nachdem sie einiges an Vorerfahrung durch Arbeiten auf anderen Hütten gesammelt hatte, ging ihr großer Traum in Erfüllung. „Jeden Tag steht man vor neuen Herausforderungen, für die man selbst Lösungen finden muss“, sagt sie, denn „man ist ja doch abgeschieden und auf das eigene Können und die eigene Kreativität angewiesen.“ (rosa)


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