Schnee in Innsbruck bringt viel Arbeit und noch mehr Kritik

Der städtische Winterdienst verfrachtete heuer in nur zwei Wochen 93.000 Kubikmeter Schnee. Vielen passierte dies zu langsam – es hagelte Kritik.

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Die Schneeräumung in Innsbruck sorgte für viel Kritik.
© Domanig

Von Rosa Karbon

Innsbruck – Der starke Wintereinbruch Mitte Jänner hatte Tirol fest im Griff. Es wurde tagelang geräumt, gestreut und gefräst. Groß waren allerdings nicht nur die Schneemengen, die das Amt für Straßenbetrieb der Stadt Innsbruck wegräumen musste, sondern auch die Kritik aus der Bevölkerung.

„Allein in diesen drei Tagen vom 14. bis zum 16. Jänner fiel mehr Schnee als im gesamten Winter zuvor“, betont der Amtsvorstand des Straßenbetriebes Peter Hölzl in einer Online-Pressekonferenz. Unerwartet fielen in dieser kurzen Zeit etwa 84 Zentimeter Neuschnee, wie die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) mitteilte. In nur zwei Wochen wurden daraufhin in der Stadt Innsbruck 93.000 Kubikmeter Schnee verfrachtet. Im Vergleich: „Im Winter 2019/20 waren insgesamt nur 1500 Kubikmeter Schnee angefallen“, unterstreicht Hölzl den massiven Unterschied.

Eine Lkw-Ladung habe zwischen zehn und 30 Kubikmeter Fassungsvermögen. Das bedeutete mehrere tausend Fuhren, um die Schneemassen aus dem öffentlichen Raum abzutransportieren. Zusätzlich zu den städtischen Mitarbeitern sind bei solchen Extrem­ereignissen auch 25 externe Dienstleister, darunter sowohl private Unternehmen als auch Einzelpersonen, im Einsatz.

„Dieses Anspruchsdenken, jede Flocke müsse geräumt sein, bevor sie den Boden erreicht, ist überzogen.“ – Uschi Schwarzl 
(Stadträtin)
© Foto TT / Rudy De Moor

Straßen, Haltestellen, Gehsteige und Radwege – jeder Bereich sollte so schnell als möglich geräumt sein. Dass dies vor allem bei solchen Wetterextremen nicht immer machbar ist, erklärt Stadträtin Uschi Schwarzl. „Dieses Anspruchsdenken, jede Schneeflocke müsse geräumt sein, bevor sie den Boden erreicht, ist schlichtweg überzogen“, sagt sie. Geräumt werde nach vorbereiteten Einsatzplänen und aufeinander abgestimmten Dienstzuteilungen. „Wenn wir da einen Trupp abziehen und woanders hinschicken, dann hängt dafür ein anderer Trupp in der Luft“, erklärt Hölzl. Stadträtin Uschi Schwarzl bittet daher gemeinsam mit den Verantwortlichen des Straßenbetriebes um Verständnis in der Bevölkerung, denn „individuellen Wünschen können wir oft nicht sofort nachkommen“.

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Kritiken werden vom Winterdienst – anders als die Schneemassen – nicht einfach beiseitegeschoben. Man versuche diese in den folgenden Jahren zu berücksichtigen. „Unsere größte Herausforderung ist nicht die Schneeräumung, sondern, in Zukunft besser zu werden“, sagt Peter Hölzl. Für den kommenden Winter will man dabei ein besonderes Augenmerk auf die Räumung der Radwege legen. „Im Rahmen des städtischen Masterplans Radverkehr 2030 wollen wir ganzjährig das Radfahren auf den Radwegen ermöglichen“, sagt Schwarzl.

Asfinag war im Dauereinsatz

St. Jakob, Langen – So große Neuschneemengen mitten im März sind selbst für die Profis etwas Ungewöhnliches. 50 Zentimeter wurden bei der Autobahnmeisterei in St. Jakob gemessen, 80 Zentimeter auf der anderen Seite des Arlbergs in Langen. Die Schneefälle hielten bis gestern Nachmittag an. Die Asfinag war im Dauereinsatz, erzählt Autobahnmeister Stefan Falch. Elf Winterdienstfahrzeuge – fünf auf Tiroler und sechs auf Vorarlberger Seite – sorgten rund um die Uhr für flüssigen Verkehr. Nur ein Lkw blieb in der Nacht auf Dienstag auf der S16 hängen, alle anderen kamen problemlos durch, berichtet Falch. Auch abseits der S16 war der Winterdienst gestern im Dauerstress. Die Landesstraße zwischen dem Pettneuer Ortsteil Reit und Schnann wurde wegen Lawinengefahr gesperrt. (mr)


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