Lawinengefahr bleibt nach starkem Schneefall in Tirol weiterhin hoch

In weiten Teilen Tirols hat es in den vergangenen Tagen stark geschneit. Von riskanten Skitouren wird abgeraten, auch wenn die Bedingungen viele Wintersportler in die Natur locken.

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Das Skigebiet in Hochimst (links) ist bereits geschlossen, Schnee zur Präparierung der Pisten läge noch genug. In Reutte (rechts unten) fielen weit über zehn Zentimeter Neuschnee und selbst die Landeshauptstadt (oben rechts) zeigte sich gestern im winterlichen Weiß.
© Böhm, Schöpf/BB Imst, Paschinger

Von Rosa Karbon

Innsbruck – Immer wieder gibt es im Frühjahr in Tirol Lawinenabgänge mit vielen Toten. Meist geschehen diese Unglücke bei Wetterverhältnissen, wie sie derzeit herrschen: Viel Neuschnee in kurzer Zeit und zarte Plusgrade mit kalten Nächten an den Tagen danach.

„Wenig frühlingshaft mit einem zögerlichen Temperaturanstieg“, fasst Josef Lang, Meteorologe bei der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) in Innsbruck, das Wetter für die kommenden Tage zusammen. Nur noch geringe Schneemengen seien zu erwarten, ab morgen werden die Sonnenstunden immer mehr. Kalt bleibt es trotzdem: „Die Nächte liegen mit minus vier bis minus zehn Grad deutlich unter dem Gefrierpunkt und auch tagsüber werden am Wochenende nur leichte Plusgrade erreicht“, sagt Lang.

Im Schnitt acht Grad zu dieser Zeit

Eine ausgeprägte Nordströmung über Europa bringe zudem Polarluft in Form eines spürbar kalten Ostwindes nach Tirol. Im Schnitt habe es zu dieser Jahreszeit allerdings etwa acht Grad. „Die Temperaturen liegen zurzeit deutlich unter dem langjährigen Mittelwert für Mitte März“, erklärt Lang. Der Februar sei im Gegensatz dazu vergleichsweise viel zu warm gewesen. „Bis zum Monatsende werden die Temperaturen wieder den Normalwerten entsprechen“, prognostiziert Lang.

Da es in den Gebieten der Silvretta, des Arlbergs, des Außerferns, der Nordalpen und des Osttiroler Tauernkamms seit Sonntag besonders viel geschneit hat, herrscht dort derzeit Lawinenwarnstufe 4. „Die Situation bleibt aufgrund der kalten Nächte bis einschließlich Sonntag angespannt“, sagt Rudi Mair, Leiter des Lawinenwarndienstes Tirol. Die Hauptgefahr gehe dabei von Triebschneeansammlungen aus, die von Menschen losgetreten werden können. Er rät daher besonders ungeübten Tourengehern, am kommenden Wochenende auf der Piste zu bleiben.

Hohe Lawinengefahr sorgt für Sperren

Doch nicht alle Pisten können genutzt werden. Auf der Innsbrucker Nordkette wurde der Skibetrieb aufgrund der hohen Lawinengefahr bis auf weiteres eingestellt, als Vorsichtsmaßnahme zudem einige Wege oberhalb der Stadt gesperrt. Darunter der Kollnerweg, die Zufahrt zur Arzler Alm, der Rosnerweg im Bereich Mühlauer Graben und der Höttinger Graben. „Bitte haltet euch an die aktuell aufrechten Sperren und wartet ab, bis der Neuschnee sich etwas gesetzt hat“, appelliert Werner Haberfellner von der Lawinenkommission auf der Nordkette. Die Lage werde täglich neu eingeschätzt und weitere Maßnahmen gegebenenfalls kommuniziert.

Dass ein nahender Frühling die Lawinengefahr nicht mindert, zeigt ein Blick zurück: Am 5. April 1975 verschüttete eine Lawine auf der Südtiroler Seite den Brennerpass. Sechs Menschen wurden in ihren Autos verschüttet, die Straße war tagelang nicht passierbar. Eine große Staublawine begrub am 23. März 1988 rund 30 Häuser in St. Anton am Arlberg unter sich. Sieben Menschen starben, 23 weitere wurden verletzt. Selbst im Mai noch gibt es tragische Unglücke. Im Jahr 2009 wurden in Sölden sechs Urlauber durch eine Lawine getötet. „Auf den Bergen herrscht tiefster Winter, egal was der Kalender sagt“, betont Rudi Mair.


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