Hamiltons letztes Hurra? - Rekordchampion will achten Titel

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Lewis Hamilton schickt sich an, in dieser Saison mit seinem achten WM-Titel zum alleinigen Formel-1-Rekordhalter aufzusteigen. Nicht ausgeschlossen, dass der Mercedes-Star einen Schlussstrich zieht, falls ihm das wirklich gelingt. Und die Chancen stehen nicht schlecht, da sich die Vorjahres-Autos konzeptionell nur minimal verändert haben. Derzeit teilt sich Hamilton den Rekord mit Michael Schumacher, dessen Sohn Mick am 28. März in Bahrain für Haas sein Grand-Prix-Debüt gibt.

„Ich habe mit dem Rennfahren begonnen, weil ich das Rennfahren liebe“, meinte der mittlerweile zum Ritter geschlagene 36-Jährige, der sich nur noch für diese Saison vertraglich an Branchenprimus Mercedes gebunden hat. Seine Liebe kann Sir Lewis dieses Jahr in vollen Zügen ausleben, sofern alles den geplanten Lauf nimmt: 23 Rennen sind trotz Coronavirus-Pandemie von Ende März bis zum 12. Dezember, dem Finale in Abu Dhabi, im Kalender vermerkt - so viele wie nie zuvor in einer Formel-1-Saison.

Praktisch alle maßgeblichen Rekorde hat Hamilton Schumacher bereits abgeluchst: Führungsrunden, Führungskilometer, Pole Positions - aktuell hält der Brite bei 98 - und zuletzt im Oktober 2020 auch Rennsiege. 95 Grand-Prix-Erfolge hat Hamilton bis dato gesammelt. Die Wahrscheinlichkeit spricht dafür, dass er als erster Formel-1-Pilot auch die Schallmauern von 100 Pole-Starts und 100 Siegen durchbrechen wird.

Voraussetzung für neue Heldentaten von Hamilton, der wieder mit dem Finnen Valtteri Bottas als Teamkollegen in die Saison geht, ist freilich, dass Mercedes weiter das stärkste Paket aus Chassis und Motor im Feld hat. Doch nach den Testfahrten, die in der Vorwoche auf dem Wüstenkurs in Bahrain stattfanden, könnte man den Eindruck gewonnen haben, dass nun Red Bull in der Favoritenrolle ist. Mercedes kämpfte in Sakhir mit Setup-Problemen und dem Getriebe.

„Wir hatten ein paar Probleme, dazu gehörte auch, bestimmte Merkmale unseres Autos zu verstehen. Hoffentlich können wir das in den zwei Wochen bis zum Qualifying noch hinbringen“, sagte Teamchef Toto Wolff. Die Erfahrung zeigt, dass Mercedes bei den Tests vor der Saison zuletzt nie komplett seine Karten aufgedeckt hat. „Wir wissen nicht, welche Motoreinstellung Mercedes bei dem Test verwendet hat“, betonte Red-Bull-Konsulent Helmut Marko, der jedoch anmerkte: „Aber wir gehen davon aus, dass der Abstand zu ihnen nicht mehr so groß ist.“

Schon zum Ende der Vorsaison war Red Bull im Renntrimm praktisch auf Augenhöhe mit Mercedes, in Abu Dhabi sogar klar besser. Allerdings hatte Hamilton damals gerade Covid-19 überstanden, und die „Silberpfeile“ steckten viel Energie schon in das neue Auto. In der Zwischenzeit hat sich Red Bull den bei Aston Martin nicht mehr gebrauchten Mexikaner Sergio Perez geangelt, der dem Rennstall von Milliardär Dietrich Mateschitz im Zusammenspiel mit Max Verstappen mehr strategische Optionen geben soll.

Hamilton würde mehr Konkurrenz im WM-Rennen begrüßen. „Ich freue mich, das bringt mehr Spaß“, sagte der Brite. Interessanter Nebenaspekt: Der Niederländer Verstappen sitzt auf einem leistungsbezogenen Vertrag, der es ihm - vereinfacht gesagt - ermöglichen würde, Red Bull nach dieser Saison zu verlassen, wenn das Auto nicht titelfähig ist. Möglicherweise könnte er in diesem Fall als neuer Stallrivale von Hamilton bei Mercedes anheuern - oder dort sogar dessen Nachfolger werden.

Denn während in diesem Jahr die Autos mit neuen Unterböden und etwas schwerer daherkommen, ändert sich das Reglement in der nächsten Saison radikal. Vor allem hinsichtlich des Motors, der komplett neu entworfen wird, wesentlich einfacher und billiger werden soll. Wer da den Stein der Weisen findet, könnte auf Jahre eine ähnliche Dominanz etablieren wie Mercedes von 2014 bis heute. Ein achtfacher Weltmeister Hamilton würde dieses Wagnis vielleicht nicht mehr mitmachen.


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