Neues Naturkundemuseum lockt in die Weiherburg

Alpenzoo und Landesmuseen bespielen die historischen Räume ab Sonntag mit Tirols erster naturwissenschaftlicher Wechselausstellung.

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Karl Gostner (Innsbruck Tourismus), Zoodirektor André Stadler, Dir. Peter Assmann (Tiroler Landesmuseen), LR Bernhard Tilg und Alpenzoo-Präsident Herwig van Staa (v. l.) freuen sich über die Auftakt-Schau – mit „Neo-Tirolern“ wie der Gottesanbeterin und eigenen „Streichelpräparaten“.
© Domanig

Innsbruck – Er freue sich „wie ein Honigkuchenpferd“: Mit dieser kulinarisch-zoologischen Metapher eröffnete Alpenzoo-Direktor André Stadler gestern die Präsentation eines echten „Herzensprojekts“. Das neue Naturkundemuseum in der Weiherburg, eine Kooperation mit den Tiroler Landesmuseen, ist Tirols erste naturwissenschaftliche Wechselausstellung.

Den spätgotischen Ansitz aus dem Dornröschenschlaf zu holen, mit dem benachbarten Alpenzoo zu verknüpfen und, zusätzlich zu Veranstaltungen oder Hochzeiten, dauerhaft zu nutzen, sei von Anfang an eines seiner großen Ziele gewesen, sagt Stadler.

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Auch Alpenzoo-Präsident Herwig van Staa zeigte sich glücklich, dass es nach langjährigen Bemühungen gelungen sei, einen solchen Verwendungszweck für die „Beletage“ der Weiherburg zu finden. Van Staa ist zugleich Vorsitzender der Landesgedächtnisstiftung, die die Kosten für die Adaptierung des Museums-Stockwerks, ca. 330.000 Euro, übernommen hat.

Er kenne „auch international kein Projekt mit einer derartigen Verschränkung“, betont Peter Assmann, Direktor der Tiroler Landesmuseen: auf der einen Seite die Naturwissenschaftlichen Sammlungen der Landesmuseen mit Millionen von Objekten (wobei etwa die Schmetterlingssammlung Weltruf genießt), auf der anderen der Besuchermagnet Alpenzoo mit seiner Präsentation von Lebendtieren. Assmann verspricht eine „dynamische Zusammenarbeit“ mit jährlich wechselnden (Themen-)Ausstellungen, „die wir mit unseren Sammlungen perfekt bespielen können“.

Die erste Schau – zu sehen ab Sonntag und bis 28. 2. 2022 – gibt unter dem Motto „Ex und Neo“ Einblick in den natürlichen und vom Menschen verursachten Wandel der Artenvielfalt in Tirol.

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Das Spektrum der „Tiroler Neuankömmlinge und Ex-Tiroler“ im Tier- und Pflanzenreich ist breit, wie Peter Huemer, Leiter der Naturwissenschaftlichen Sammlungen, erklärt. Die kleine Zeitreise führt von 190 Mio. Jahre alten Ammoniten bis zu jüngsten „Einwanderern“ wie dem Waschbären oder der Gottes­anbeterin, die vom Klimawandel profitiert und sich nun auch in Tirol ansiedelt.

Während etwa Kartoffeln und Mais nach der Entdeckung Amerikas bewusst angesiedelt wurden, hat der Mensch andere Arten wie Wanderratte oder Maiszünsler unabsichtlich eingeschleppt.

Die legendären „Hofgarten-Papageien“ sind ebenso Thema wie akut bedrohte Arten, etwa die Innsbrucker Küchenschelle, von der laut Huemer weltweit nur noch 27 Exemplare existieren. „Streichelpräparate“, vom Steinbockkitz bis zum Tanuki (Marderhund), runden die Schau ab, die man um einen Euro Aufpreis zum Zooeintritt besuchen kann – zu denselben (täglichen) Öffnungszeiten.

„Neuankömmlinge“ im Alpenraum, allerdings in Form von lebenden Tieren und Pflanzen, werden künftig auch in den denkmalgeschützten Volieren im Park der Villa Blanka Thema sein, die dafür mit Hilfe der Landesgedächtnisstiftung renoviert werden. Die Planungen sind laut Stadler schon weit gediehen, auch die nötigen Ausnahmegenehmigungen sollten zu bekommen sein. (md)


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