Egon Rainers „Ordnung und Lebendigkeit“ im Innsbrucker aut

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Egon Rainers stapelbarer Freischwinger von 1966.
© studio casali

Innsbruck – „Ich glaube nicht an das Möbel im herkömmlichen Sinne, an die starre Konstruktion, sondern viel mehr an frei in den Raum gestellte, variierbare Elemente.“ Ein – verkürzter – Satz des Designers Egon Rainer, dessen um 1970 kreierte Entwürfe vom Innsbrucker aut wiederentdeckt wurden. Ist der 1938 in Innsbruck geborene, ursprünglich vom Tischlerhandwerk herkommende Rainer, der am Londoner Royal College of Art seinen Master of Art gemacht hat, doch ein weitgehend Vergessener, obwohl er mit seinen Möbelsystemen um 1970 für wenige Jahre internationales Renommee genoss. Seine Entwürfe etwa im renommierten Magazin Domus publiziert, bei internationalen Möbelmessen präsentiert wurden.

Obwohl durchaus im Zeitgeistigen unterwegs, hat Rainer nie wirklich Anschluss an die internationale Designszene gefunden. Diesbezüglich stand er sich wohl selbst im Weg, lag es ihm doch so gar nicht, sich zu verkaufen, sich in Abhängigkeiten zu begeben, Konzessionen zu machen. Um sich immer mehr vom Angewandten ab- und der bildenden Kunst, besonders dem Skulpturalen, zuzuwenden bzw. als Lehrer für Innenausbau an der Innsbrucker HTL seine Berufung zu finden.

Die Ausstellung im aut spürt allerdings dem Designer Egon Rainer nach. Indem auf eine große Plattform seine ebenso raffiniert wie einfach zusammensteckbaren, stapelbaren oder modularen Möbelsysteme gestellt sind, umhängt von Texten, die klar machen, wie er als Möbelerfinder getickt hat.

Über einem mit Glasobjekten und kleinen Modellen bestückten Tisch schwebt ein 2,50 Meter langer „Kneissl-Super-Star“, den Rainer 1970 nicht nur designt hat, sondern in dessen Materialentwicklung er auch involviert war. Fotos zeigen, wie futuristisch sein Denken heute noch anmutet. Etwa die – komplett erhaltene – Wohnung, die sich Tirols ehemaliger Kulturlandesrat Fritz Prior von Egon Rainer hat einrichten lassen. (schlo)

Gestecktes & Modulares

aut. architektur und tirol. Lois-Welzenbacher-Platz 1, Innsbruck; bis 19. Juni, Di–Fr 11–18, Sa 11–17 Uhr.


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