Eine Pizza, die Hoffnung macht: Drittes Album von Jo Stöckholzer

Der Tiroler Songwriter und Multi-Instrumentalist Jo Stöckholzer veröffentlicht sein drittes Album. Es heißt „Zum Lästern“. Und bietet keinen Anlass dazu.

  • Artikel
  • Diskussion
Der Tiroler Musiker Jo Stöckholzer, Jahrgang 1993, hat „Zum Lästern“ beim von ihm mitgegründeten Label „Unserallereins“ veröffentlicht.
© Kapelari

Innsbruck – Vor ziemlich genau einem Jahr flatterte dem Innsbrucker Musiker Jo Stöck­holzer eine Ablehnung ins Haus. Sein Ansuchen um ein Arbeitsstipendium des Landes wurde negativ beurteilt. Stöckholzer wollte den Corona-Veranstaltungsstopp für die Arbeit an seinem dritten Album nutzen. Doch Stöckholzer macht Popmusik. Und Pop sei – nomen est omen – populär, könne sich also selbst finanzieren. So jedenfalls argumentierte das Land. Der Musiker machte seinen Unmut öffentlich, Die TT berichtete. Das Land reagierte. „Ich wurde von der nächsthöheren Stelle aufgefordert, mich erneut zu bewerben“, erzählt Stöckholzer. Er bekam das Stipendium bewilligt. Wirklich durchschaut habe er die Förderpolitik des Landes aber nicht, sagt er. „Ich kenne Musiker, deren Projekte unterstützt wurden – und andere, denen trotz vergleichbarer Voraussetzungen abgesagt wurde. Die Entscheidungen wirken beliebig und wenig nachvollziehbar.“

Inzwischen ist Jo Stöckholzers Album erschienen. Es heißt „Zum Lästern“. Und bietet wenig Anlass dazu. Es ist Stöckholzers bislang popigste Platte: mehr Up- als balladiges Midtempo und ordentlich Mut zur Melodie. Der Song „Die schlimmste Nacht des Tages“ schwingt sich – seinem Titel zum Trotz – im Schlussdrittel gar zur anständig tanzbaren Mitsing-Hymne hoch. Er habe sich kompositorisch verändern wollen, sagt Stöckholzer: „Die Lieder sind weniger melancholisch und klingen weniger verkopft, direkter, surfiger.“ Es gibt digital verfremdete Stimmen, mächtig vorwärtstreibendes Schlagwerk, rhythmische Klatscheinlagen und – im Song „10 vor 3“ – ein sphärisches Synthie-Zwischenspiel, das mancher New-Wave-Combo mehr als ein anerkennendes Nicken abringen dürfte. „Zum Lästern“, das sind acht sommerlich-verspielte Lieder, die in ihrer selbstbewussten Eingängigkeit, auf der Textebene immer wieder gebrochen werden: Stöckholzer erzählt introspektive Geschichten, die sich in ihrer Gesamtheit als große Lovestory lesen lassen: vom Herzschmerz über Einsamkeit und einmal angenommenes Alleinsein zum Übermut einer sich anbahnenden neuen Beziehung. Für dieses Standardrepertoire des Pop findet er eingängige Bilder: Das schönste, weil unaufdringlich anrührend, ist die Pizza, die das Ich schon mal für ein werdendes Wir bestellt hat, um dann im gleichnamigen Lied den „Beziehungsstatus“ zu klären. Damit – und dementsprechend hoffnungsfroh – klingt die Platte aus.

„Zum Lästern“ ist das erste Album, das Jo Stöckholzer auf dem von ihm mitgegründeten und geleiteten Label „Unserallereins“ veröffentlicht. Doch nicht nur Komposition, Produktion und Vertrieb erklärte Stöckholzer bei „zum Lästern“ zur Chefsache. Auch im Studio übernahm er alle Aufgaben selbst: Jedes Instrument, das zu hören oder bisweilen nur erahnbar ist, hat er selbst eingespielt, alle Stimmen selbst eingesungen. Für die bislang veröffentlichten Musikvideos griff der gelernte Grafiker selbst zum Zeichenstift. Mehrere große Streaminganbieter hat Jo Stöckholzer bereits überzeugt. Seine neuen Songs wurden in die kuratierten Indie-Playlists der Dienste platziert. „Um sicht- und hörbar zu sein, sind die Streamer unumgänglich“, sagt Jo Stöckholzer. Seit Ende vergangener Woche liegt „Zum Lästern“ in limitierter Auflage auch auf Vinyl und als CD vor. (jole)

Indie/Pop Jo Stöckholzer: Zum Lästern. Unserallereins/Believe.


Kommentieren


Schlagworte