Erzbistum Köln setzt nach Gutachten zwei Würdenträger ab

In einem Gutachten zum Umgang des deutschen Erzbistums Köln mit Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs sind Hinweise auf 202 Beschuldigte festgestellt worden. Bereits unmittelbar nach der Präsentation des Papiers am Donnerstag zog der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki personelle Konsequenzen. Zwei hohe Würdenträger wurden von ihren Ämtern suspendiert. Die Missbrauchsopfer waren laut Gutachten mehrheitlich Burschen. Bei 63 Prozent der Beschuldigten handelt es sich um Kleriker.

Woelki entband seinen Weihbischof Dominikus Schwaderlapp und den Leiter des Erzbischöflichen Gerichts, Offizial Günter Assenmacher, wegen Pflichtverletzungen mit sofortiger Wirkung vorläufig von ihren Ämtern. Der Kardinal sprach von „Vertuschung“ in der deutschen Diözese. Während Schwaderlapp in acht Fällen konkrete Pflichtverletzungen begangen haben soll, soll Assenmacher in zwei Fällen eine unzutreffende Rechtsauskunft abgegeben haben. Woelki selbst wurde in dem Gutachten entlastet. Eigentlich wollte der Kardinal erst am kommenden Dienstag Konsequenzen aus dem Gutachten des Strafrechtlers Björn Gercke ziehen.

Weihbischof Schwaderlapp bot daraufhin Papst Franziskus umgehend seinen Amtsverzicht an. „Die Untersuchung hält ernste Versäumnisse fest, die ich zu verantworten habe“, erklärte der 53-Jährige am Donnerstag in einer persönlichen Stellungnahme laut Kathpress. Zu wenig und nicht systematisch und entschieden genug - so könne man sein Verhalten zusammenfassen. Seine Pflicht in seinem früheren Amt als Generalvikar der Erzdiözese Köln sei es auch gewesen, zu überprüfen, ob Missbrauchsfälle der Ordnung entsprechend nach Rom gemeldet wurden.

„Tiefer noch beschämt mich, zu wenig beachtet zu haben, wie verletzte Menschen empfinden, was sie brauchen und wie ihnen die Kirche begegnen muss. Das ist ein Versagen als Seelsorger und als Mensch“, so der Weihbischof. Er entschuldigte sich bei den Betroffenen.

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Kardinal Woelki sagte, in Köln hätten sich „höchste Verantwortungsträger“, darunter mit den Kardinälen Joachim Meisner und Joseph Höffner seine beiden Vorgänger, schuldig gemacht. „Sie haben nicht sanktioniert, sondern verzögert oder den Schutz der Betroffenen nicht beachtet.“ Es spreche Bände, dass Laien in Köln bei Missbrauchsvorwürfen immer schnell und konsequent bestraft worden seien, Priester aber nicht - „das berührt mich und beschämt mich auch zutiefst“. Beide früheren Erzbischöfe von Köln sind bereits verstorben.

Gercke hatte zusammen mit seinem Team in den vergangenen Monaten die Kirchenakten von 1975 bis 2018 ausgewertet. Herausgekommen ist ein 800 Seiten starker Bericht, in dem erstmals ungeschwärzt auch die Namen von Verantwortlichen genannt werden.

Dem heutigen Hamburger Erzbischof Stefan Heße wirt Gercke elf Pflichtverletzungen im Zusammenhang mit der Aufarbeitung von Missbrauchsvorwürfen in Köln vor. Heße war vor seiner Berufung nach Hamburg Personalchef und Generalvikar in Köln. Er bestreitet bisher die bereits in anderem Zusammenhang gegen ihn erhobenen Vorwürfe. Die meisten Pflichtverletzungen stellte Gercke bei seinen Untersuchungen bei dem 2017 verstorbenen Kardinal Meisner fest.

Die Opfer waren demnach mehrheitlich Burschen. Bei 63 Prozent der Beschuldigten handle es sich um Kleriker. In knapp 32 Prozent der Fälle habe es sich um sexuellen Missbrauch gehandelt, in gut 15 Prozent um schweren sexuellen Missbrauch. Die anderen Fälle stuft Gercke unter anderem als Grenzverletzungen und sonstige sexuelle Verfehlungen ein.

Ein erstes Gutachten einer Münchner Kanzlei war vom Kölner Kardinal unter Verschluss gehalten worden, wofür er rechtliche Bedenken anführte. Dieses Verhalten Woelkis hatte eine Vertrauenskrise in der Erzdiözese ausgelöst. Der Erzbischof hat jüngst allerdings bereits vor Vorstellung des Gercke-Gutachtens angekündigt, aus den Ergebnissen umgehend Konsequenzen ziehen zu wollen. Das Erzbistum Köln ist mit rund 1,9 Millionen Katholiken die größte Diözese im deutschsprachigen Raum.


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