Baumsturz in Innsbruck: Gutachter wertet Kamerabilder aus

Am Montagmorgen wurde eine Frau in Innsbruck durch einen umstürzenden Baum getroffen. Der Zustand der am Kopf getroffenen Frau ist nach wie vor kritisch. Die Untersuchungen zum Unfallhergang laufen noch.

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Im Bereich Ing.-Etzel-Straße/Klara-Pölt-Weg stürzte am Montagmorgen die 17 Meter hohe Robinie auf eine Frau (46) und ihr Kind (7).
© Thomas Boehm / TT

Innsbruck – Im online abrufbaren Baumkataster der Stadt Innsbruck scheint sie als grüner Punkt mit der Bezeichnung „Ing.-Etzel-Straße, Baum 1“ auf. Gemeint ist jene 17 Meter hohe Scheinakazie, auch Robinia Pseudoacacia genannt, die am Montag gegen 7.40 Uhr plötzlich umgestürzt ist und dabei eine Frau schwer am Kopf verletzt hat. Ihr siebenjähriger Sohn, den sie auf seinem Weg in die Schule begleitet hatte, erlitt lediglich leichte Schürfwunden. Laut Auskunft der Innsbrucker Klinik befindet sich die 46-Jährige weiter auf der Intensivstation, ihr Zustand ist nach wie vor kritisch.

Unterdessen laufen die Untersuchungen zur möglichen Unfallursache weiter. Wie berichtet, hat die Staatsanwaltschaft einen Sachverständigen eingesetzt. Erste Erkenntnis noch am Montagabend: verletzte Wurzeln durch Pilzbefall. Äußerlich hatten am Baum jedoch keine Merkmale darauf hingewiesen, betonte Thomas Klingler, Leiter des Amtes für Grünanlagen, gestern erneut. Jetzt sollen die Aufnahmen aus den zahlreichen Überwachungskameras der so genannten Bogenmeile im betroffenen Bereich ausgewertet werden. „Wir haben dazu noch keinen Zugang, dafür aber der gerichtliche Sachverständige“, erklärt Klingler. Es gelte herauszufinden, ob sich in den Tagen vor dem Unglück der Baumsturz angekündigt und sich der Baum vielleicht bereits geneigt hatte. Außerdem soll der Wurzelstock mit einem Bagger entfernt und anschließend im Detail untersucht werden. „Bäume im städtischen Bereich sind durch Hitze und Streusalz besonderen Extrembedingungen ausgesetzt. Daher pflanzen wir entsprechend widerstandsfähige Bäume“, sagt Klingler. Und eigentlich handle es sich bei der Robinie um genau so eine widerstandsfähige Art.

Nicht nur Hitze und Salz, auch Straßen- und Leitungsbau setzten Bäumen und vor allem deren Wurzeln in der Stadt enorm zu, wie Manfred Putz erklärt. Der Baumsachverständige aus Innsbruck ist zwar nicht mit dem konkreten Fall betraut, weiß aber um die Schwierigkeit der Beurteilung von Bäumen. „Der Baum spricht eine Sprache“, sagt Putz. Drehwuchs, Flaschenhalsbildung oder Druckzwiesel sind oft Indizien dafür, dass etwas mit einem Baum nicht stimmt. Es sei aber auch möglich, dass äußerlich nichts auf ein Problem hindeutet. So etwas Tragisches wie der Baumsturz am Montag könne passieren, ohne dass dafür jemand verantwortlich gemacht werden kann. „Ein Baum ist immer eine gewisse Gefahr. In der Stadt sind allerdings sehr gut ausgebildete und verantwortungsvolle Leute bei der Beurteilung der Bäume am Werk“, meint Putz. (TT)

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