Mit sehr viel Hilfe von Freunden: Ringo Starr meldet sich zurück

Ex-Beatle Ringo Starr meldet sich mit fünf neuen Songs und prominenter Unterstützung aus dem Lockdown.

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Das Schlagzeug ist sein angestammtes Arbeitsgerät, doch Ringo Starr, 80, versucht sich immer wieder gerne als Sänger.
© Imago

Von Markus Schramek

Innsbruck – Schon vor 50 Jahren plus war sich Ringo Starr seiner Stärken bewusst: Die lagen im Schlagzeugspiel, im Gesang eher weniger. Vors Mikrofon ließen die restlichen drei Beatles ihren Drummer aber doch. „With A Little Help From My Friends“ wurde 1967 mit Ringo als Interpret zum Hinhörer, später zum Klassiker. Auch weil sich Joe Cocker 1969 in ­Woodstock an Ringos Lied aber so was von stimm-wunderlich ­abarbeitete.

Der Songtitel war keine leere Phrase. „Mit ein bisschen Hilfe meiner Freunde“ (und eines einfachen Songs) versprühte sogar Ringo sängerisch so etwas wie Charme. Der Hauptpart des knapp Ältesten der Beatles war aber ohnehin das Trommeln. Und das Witze reißen in einer Phase, als sich die Band immer weniger zu sagen hatte.

Dieser ausführliche Rückblick erfolgte nicht ohne Hintergedanken. Ja, es stimmt tatsächlich: Ringo Starr hat vor Kurzem die Welt mit neuer Musik beglückt. Abendfüllend geriet das Spätwerk nicht, die Mini-LP „Zoom In“ (erschienen bei Universal Music) enthält fünf neue Tracks mit Ringo als Sänger.

Promis per Videoschaltung dabei

Hilfe von Freunden holt sich der in Los Angeles wohnhafte Exil-Liverpooler für sein Neuwerk reichlich. Weil gerade Pandemie ist, musizieren Promis per Videoschaltung mit Herrn Starr. Würden die Szenegrößen ihre Arbeit in Rechnung stellen, müsste Ringo wohl den einen oder anderen Bausparer auflösen.

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Toto-Gitarrist Steve Lukather will es auf seine älteren Tage noch einmal wissen, und der Chor der Backgroundsänger ist kaum zu toppen: Paul McCartney, der zweite noch lebende Beatle, trällert mit; aus dem Home-Office melden sich ferner Sheryl Crow, Lenny Kravitz, Dave Grohl und viele andere mehr.

📽️ Video | „Here’s To The Nights“:

Die fünf Songs von „Zoom In“ sind einfach gestrickt, Party-like, zum Mitshaken. Der auch als Video veröffentlichte Track „Here’s To The Nights“ trieft vor Nostalgie. Ringo & Freunde prosten einander zu und trinken auf Nächte, an die sie sich schon bald nicht mehr erinnern können.

Es wäre eine Übertreibung zu sagen, dass „Zoom In“ im Kanon populärer Musik noch gefehlt hat. Spaß zu haben ist aber auch keine Schande.

💬 Kopf des Tages: Mutmacher 
in musikalischer Form

Ein Jahr Pandemie hat auch bei Ringo Starr Spuren hinterlassen. Tonspuren, um genauer zu sein. Der Ex-Beatle hat im Home-Office Musik produziert. Per Video-Call stimmten befreundete Musikpromis mit ein. Fertig ist jetzt das Lockdown-Album „Zoom In“. Ringo singt und trommelt darauf, dass es (ihm) eine Freude ist. Es ist kein epochales Werk, eher ein Mut- und Spaßmacher für die gelegentliche Party, sobald solcherlei Treiben wieder zulässig ist.

Spaß zu haben ist das Lebensmotto von Ringo Starr, der als Richard Starkey am 7. Juli 1940 in einer rauen Gegend Liverpools geboren wurde. 1962 stieß er als Drummer zu den Beatles. Ein Quartett, wie es unterschiedlicher kaum sein konnte, hatte sich gefunden: der strebsame Klassenprimus Paul McCartney, der philosophische Grübler John Lennon, das musikalische Genie George Harrison und Ringo Starr, die Frohnatur in der Runde.

Der Schlagzeuger stand als Interpret klar im Schatten der Bandkollegen. Das hinderte Ringo nicht daran, sich trotz überschaubaren Stimmumfangs das Mikro zu schnappen – mit viel Ironie. „Was würdest du tun, wenn ich falsch singe, würdest du aufstehen und gehen?“ singt er in „With a little help from my friends“. Von einer Massenflucht ist nichts bekannt.

Nach der Auflösung der Beatles erlebte Ringo solo manchen Dämpfer. Alben flopp­ten, plötzlich war sein Schlagzeugspiel in den Augen von Besserwissern nicht gut genug. Doch Ringo hielt Kurs. Seine zweite Frau, das Ex-Bond-Girl Barbara Bach, war und ist ihm eine Stütze seit Jahrzehnten.

Die Zukunft sieht der Musiker auch mit 80 rundum positiv. Er ist gegen Coron­a geimpft. Bei dieser Krankheit hört sich selbst der Spaß einmal auf.


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