AstraZeneca versteckt offenbar 29 Mio. Impfdosen in Italien

29 Millionen Dosen des AstraZeneca-Impfstoffs, die offenbar illegal nach Großbritannien hätten exportiert werden sollen, sind von den italienischen Justizbehörden entdeckt worden. Die Kontrollen wurden aufgrund einer Meldung der EU-Kommission in die Wege geleitet, wie die italienische Tageszeitung „La Stampa“ (Mittwochausgabe) berichtete. Die AstraZeneca-Dosen wurden demnach an einem Standort der Firma Catalent in der Kleinstadt Anagni 30 Kilometer südlich von Rom gefunden.

„Wir hatten den Verdacht, dass AstraZeneca über mehr Produktionskapazität in Europa verfügte, als sie angegeben hatten“, sagte ein EU-Vertreter in Brüssel am Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP. EU-Industriekommissar Thierry Breton habe deshalb die italienischen Behörden gebeten, das Werk zu inspizieren. AstraZeneca hatte seine Lieferungen an die EU einseitig drastisch gekürzt: Statt der ursprünglich avisierten 120 Millionen Impfdosen sollen im ersten Quartal nur 30 Millionen kommen, im zweiten Quartal 70 Millionen statt 180 Millionen Dosen.

Zum Bestimmungsort des gefundenen Impfstoffs machte der EU-Vertreter keine Angaben. Aus informierten Kreisen hieß es laut AFP, AstraZeneca habe angegeben, dass 16 Millionen der gefundenen Dosen für die EU und 13 Millionen für die internationale Impfinitiative COVAX bestimmt seien. „La Stampa“ berichtete hingegen, der Impfstoff sollte nach Großbritannien exportiert werden. Unklarheit bestand außerdem über die Herkunft der Wirkstoffe in den in Italien abgefüllten Dosen. „Wir müssen jetzt überprüfen, ob der Wirkstoff in diesen Impfstoffen in der EU in von der EMA zugelassenen Anlagen hergestellt wurde“, sagte der EU-Vertreter.

AstraZeneca wollte am Mittwoch die Vorwürfe nicht kommentieren. Die Vertretung des britisch-schwedischen Impfstoffherstellers in Italien erklärte auf APA-Anfrage, derzeit sei keine Stellungnahme dazu geplant.

Catalent befüllt im Auftrag des britisch-schwedischen Impfstoffherstellers AstraZeneca Ampullen mit dem Anti-Covid-Impfstoff. Anfang März hatte Rom eine Lieferung mit 250.000 Impfdosen des Herstellers AstraZeneca an Australien gestoppt, die in Italien produziert worden waren. Der italienische Regierungschef Mario Draghi hatte die EU-Kommission zu hartem Durchgreifen gegen Pharmakonzerne aufgerufen, die ihren Verpflichtungen mit der EU zur Lieferung von Impfstoffen nicht nachkommen.


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