BVT und Wirecard: IT-Techniker soll illegal Handydaten abgesaugt haben

In der BVT- und Wirecard-Affäre gibt es offenbar neue Verdachtsmomente. In der Wohnung eines BVT-IT-Technikers sollen Ermittler zig Handys gefunden haben.

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Der frühere Wirecard-Chef Jan Marsalek ist seit Wochen auf der Flucht. Er könnte in Belarus untergetaucht sein.
© APA/dpa/Kay Nietfeld

Wien – Erneut gibt es Verbindungen zwischen der milliardenschweren Wirecard-Affäre und dem Sumpf beim Bundesamt für Verfassungsschutz (BVT). Bei einer Razzia bei einem IT-Techniker des BVT wurden die Ermittler fündig.

In der Wohnung des Internetspezialisten des BVT sollen Ermittler zig Handys gefunden haben, die teils hochrangigen ­Innenministeriums- und Kabinettsmitarbeitern gehört haben sollen. Der Mann steht im Verdacht, die Daten ausgelesen, weitergegeben und verkauft zu haben.

Rund 50 Mobiltelefone wurden demnach bei der Hausdurchsuchung gefunden. H. arbeite seit 2001 im BVT und habe sich auf das Auslesen von Mobiltelefonen spezialisiert. „Betroffene erinnern sich, dass man ihm schadhafte Geräte überantwortet hatte, um Daten zu retten. H. habe behauptet, das sei nicht möglich, und versprochen, die Endgeräte zu vernichten. Das dürfte er nicht getan haben. Die Staatsanwaltschaft vermutet, dass der Mann die Handys ausgelesen – und an ‚organisationsfremde Personen‘ weitergegeben hat“, schreibt die Tageszeitung Die Presse.

Diese Daten soll H. auch an seinen alten Freund O. weitergegeben haben. Ein entsprechender Datenstick wurde laut dem Bericht bei einer Hausdurchsuchung gefunden. H. und O. verbindet eine langjährige gemeinsame Polizeikarriere. Sie waren schon in den 1990ern gemeinsam bei der Einsatzgruppe zur Bekämpfung des Terrorismus. Als die Sondereinheit dann wegen etlicher Verfehlungen aufgelöst wurde, wechselten beide in die Nachfolgeorganisation BVT. Einen ähnlichen Werdegang hat auch der Dritte im Bunde – W. war jahrelang mächtiger Abteilungsleiter im BVT, bis er 2017 nach Konflikten ausschied.

W. heuerte danach bei Ex-Wirecard-Chef Jan Marsalek an. Wegen Marsalek wurden W. und O. auch vor wenigen Wochen verhaftet. W. soll dem gebürtigen Österreicher zur Flucht verholfen haben, indem er einen Jet von Bad Vöslau nach Minsk organisierte. W. hatte nach eigenen Angaben auch nach der Flucht noch Kontakt zu Marsalek. W. gab auch an, dass sein Freund O. den Wirecard-Boss ebenfalls kannte und dass sie zusammen sensible Abfragen zu gewissen Personen für ihn organisiert hätten. Marsalek zeigte sich dafür finanziell erkenntlich. Auch H. soll immer wieder für Marsalek gearbeitet haben. (APA, TT)


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