Sozialstaat gefordert: Geld für Bildung nach der Krise

Für mehr Einzahler ins Sozialsystem brauche es mehr Geld für Qualifizierung.

Innsbruck, Wien – Die Corona-Pandemie hat auch den Sozialstaat stark gefordert. Die Zunahme von Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit hat die Einnahmen aus den Einkommensteuern sinken und die Ausgaben für Arbeitslosengeld und staatliche Hilfen steigen lassen, zeigen Berechnungen der Denkfabrik Agenda Austria. Unter Berücksichtigung von Steuern auf Einkünfte und Sozialversicherungsabgaben sowie staatlichen Geldtransfers sei der Anteil der Nettozah­ler aufgrund von Corona um knapp 20 Prozentpunkte deutlich gesunken. Damit ändere sich im Zuge der Pandemie das Verhältnis von Nettozah­lern und Nettoempfängern auf 55:45. In dieser Berechnung seien aber weder staatliche Sachleistungen noch indirekte Steuern berücksichtigt. Klar sei aber, dass die Zahl der Nettozahler aufgrund der Pandemie deutlich gesunken ist, sagt Ökonom Dénes Kucsera.

Nach der Corona-Krise müsse Geld „dorthin gelenkt werden, wo es besonders benötigt wird“. Besonders wirksam sei eine Umverteilung im Bereich der Bildung. Nirgendwo sonst könne der Ungleichheit besser begegnet werden als in der Ausbildung der nächsten Generationen, so Co-Studienautor Hanno Lorenz. „Allerdings braucht es Kontrolle darüber, dass das eingesetzte Geld auch seine Wirkung entfaltet.“ Dazu brauche es mehr Autonomie für Schulen und mehr Transparenz.

Denn obwohl Österreich im internationalen Vergleich zu den Ländern mit den höchsten Bildungsausgaben pro Schüler gehöre, komme das Geld offenbar nicht immer bei den Schülern an. Um die Bildungschancen von Kindern aus benachteiligten Haushalten zu erhöhen, schlagen die Ökonomen vor, dass die Schulen autonom über Geld verfügen könnten, allerdings Ergebnisse veröffentlichen müssten. Neben Investitionen in Bildung müssten – um die Wirtschaft nach Corona wieder fit zu machen – auch Weiterqualifizierungsprogramme für Arbeitslose und Langzeitarbeitslose aufgelegt werden. Zudem sollten Anreize für Arbeitgeber geschaffen werden, Jobs für Landzeitarbeitslose zu schaffen, etwa über eine zeitweise Befreiung der Zahlung von Sozialversicherungsabgaben. Nur so könne wieder ein Ausgleich zwischen Einzahlern ins Sozialsystem und Empfängern geschaffen werden. (ver)


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